Flach und trotzdem bergauf

Der Kick-off des Bundeskaders in Potsdam: ein Wochenendtrainingslager der Rekorde.

Die kürzeste Anreisedauer hatten wohl die Berliner zu denen ich mich ja schon halb zählen kann. Die Gundelfinger benötigten jedoch rekordverdächtige elf Stunden bis ins Inselparadies südlich von Potsdam.
Schon beim Abendessen kamen wir ins grübeln, denn wir dachten darüber nach wer denn die ganzen jungen unbekannten Gesichter waren und wo sie herkamen. Des Rätsels Lösung sah man als alle sich auf einer großen imaginären Deutschlandkarte verteilt und vorgestellt hatten. Wobei man sich fragte warum Berlin und nicht Dresden unsere Hauptstadt ist. Nach ein paar weiteren lustigen Kennenlernspielen kannten bald alle 45(!) Teilnehmer des Trainingslagers wenigstens die Namen der anderen. So viele Namen musste man sich auch noch nie in einem TL merken. Bei so einer breiten Basis im Kader kann es in den nächsten Jahren nur besser werden an der deutschen OL-Spitze. Außerdem haben wir mit Nina ab diesem Jahr auch eine Co-D/C-Kader-Trainerin.
Am nächsten Morgen viertel acht stand ein Warm-up auf dem Programm. Gerade als Student, der es gewohnt ist nicht immer so früh aufzustehen eine ganz schöne Herausforderung, die wir aber alle mit Bravur meisterten.
CIMG3713Nach dem Frühstück und der weiteren Jahresplanung ging es zur ersten richtigen Trainingseinheit, zu einem von allen überaus geliebter Bahntest. Zum Glück war uns das Wetter hold und bei schönstem Sonnenschein konnten so einige persönliche Bestleistungen gelaufen werden. Gleich drei Herren konnten sogar die Laufnorm für die WM abhaken.
Nach dem Mittagessen und einem Vortrag zur O-Trainingsauswertung mit 2D-Rerun ging es auf zur Mitteldistanz in Ravensberge. Das flache von alten mililtärischen Dämmen und Gräben durchzogene Gelände versprach ein schnelles und o-technisch anspruchsvolles Rennen. O-technisch und läuferisch lief es sehr gut, bis auf den Posten an dem ich Jan und Ellen eingeholt hatte und Jan begann bei mir Schatten zu laufen. Auf dem langen Schlag zur 9 konnte ich ihn zum Glück einfach abhängen.
Am Abend durften wir in großen und kleinen „Feedback-Runden“ unseren Senf zum letzten Jahr abgeben und unsere Wünsche für das Neue mit den Trainern besprechen. Eine Sache, die ich sehr gut finde und bei der auch nur konstruktiv gearbeitet wurde. Davon werden auf jeden Fall alle noch lange etwas haben. Bei der Besprechung mit dem Damen-Kader zu dem ich mich nun seit drei Wochen zählen darf fiel mir auf wie wenige wir sind: Vier von sechs Damen waren Anwesend. Egal wie man es dreht und wendet, es sind verdammt wenige.
Ein gruseliger Zustand, wenn man bedenkt wie vielen jungen, talentierten und hoffnungsvollen OLerinnen ich auf meinem Weg hier her begegnet bin. Damals habe ich mich darauf gefreut bald gegen sie alle gemeinsam in der Elite laufen zu dürfen. Jetzt sind sie weg bzw. in der ALang oder AKurz.
Vielleicht war der Ohrwurm den Löri uns das ganze Wochenende immer wieder in den Kopf gepflanzt hat gar nicht so weit hergeholt.

Marteria – Kids

„Alle haben ’nen Job – ich hab‘ Langeweile!
Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern.
So ist das hier im Block, Tag ein Tag aus.
Halt mir zwei Finger an den Kopf und mach:
Peng! Peng! Peng! Peng!

Randale und Krawall, die Zeiten sind längst vorbei.
Wo sind meine Leute hin, die waren früher überall.
Was all die anderen starten, sieht wie ’ne Landung aus
Und die Welt sie dreht sich weiter nur nicht mehr ganz so laut.“

Die meisten sind wegen Schule, Studium, Job und/oder Verletzung nicht mehr da und ich vermisse sie. Damals verband uns ein Traum, aber irgendwann wollten und konnten sie nicht mehr weiter kämpfen. Letztes Jahr war ich diesem Gefühl ebenfalls erschreckend nah und ich kann alle nur zu gut verstehen die in diesem Moment denken: „Ach leckt mich doch am Arsch, es gibt auch noch andere Dinge im Leben!“ Vielleicht ist es jetzt unsere Aufgabe im Damenkader für genau all diese jungen Mädchen zu kämpfen, den Traum aufrecht zu erhalten. „Den Traum ohne Schranken, bei dem man am Ende eines perfekten Laufes auf dem Podium der Weltmeisterschaft steht.“
CIMG3721Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg und um auf diesem weiter zu kommen, starteten wir am nächsten Tag viertel Acht wieder zum Warm-up. Nach dem Frühstück und einem Vortrag zum Thema Trainingsplanung und –prinzipien ging es weiter zum Isohypsen-Massenstart-OL.
Die Mädchen sollten nur drei Massenstarts mit je 1,5km und 3-6 Posten machen, aber ich wäre auch gerne noch den vierten gelaufen. Es hat so einen Spaß gemacht durch den offenen leicht hügeligen Potsdamer(!) Wald zu sprinten. Außerdem habe ich mich das erste Mal seit Wochen wieder richtig „in Ordnung“ gefühlt. Es geht bergauf: keine blöden Hüftschmerzen, kein Schnupfen und auch keine Übelkeit oder was einen sonst noch so das Training vermiesen kann. Bisher dachte ich, dass es in der Umgebung von Berlin keine schönen Wälder gibt, aber ich wurde zum Glück eines besseren belehrt.
Wahrscheinlich war es doch ein wenig kalt am Sonntag, denn jetzt habe ich einen schönen Husten und muss zu Hause bleiben. Dafür habe ich viel Zeit mich meinen Prüfungsvorbereitungen zu widmen
Dank des Schneefalls in Berlin, kommt hier tatsächlich so etwas wie Winterstimmung auf. Also noch einen schönen Restwinter für euch!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s