einfach laufen, laufen laufen

Während in Sotschi bereits um Medaillen gekämpft wird, bereitete sich der deutsche Bundeskader in Dresden auf die großen Wettkämpfe im Sommer vor.


An diesem Wochenende sollte es mal nur ums Laufen gehen. Zur Formbestimmung ging es am Samstag mit einem Laktat-Test los. Der erste meines Lebens und auch das erste Mal, dass ich auf einem Laufband lief. Jetzt weiß ich auch warum ich noch nie auf dem Laufband war. Es fühlt sich total komisch an, denn es fehlt einfach etwas. Der kühle Wind, die vorbei fliegende Landschaft (kommt darauf an wie schnell man läuft) und der Weg, der ja bekanntlich das Ziel ist. Besonders gewöhnungsbedürftig ist der Moment, wenn man vom Laufband steigt und sich erstmal alles dreht und später beim Auslaufen, dass man sich wirklich auch wieder nach vorne abdrücken muss, um vorwärts zu kommen. Es ist eben etwas anderes ob man läuft oder ob man „gelaufen wird“.CIMG3735
Wie schon häufiger diente uns die Geschäftsstelle des TU Dresden als Quartier wo wir dann auch zum wohlverdienten Mittagessen hinfuhren. Danach hatten wir eine kurze Pause, die wir dazu nutzten unsere Fähigkeit eine Flasche auf einer Bank zu treffen zu verbessern. Wobei verbessern hier wohl eher was mit Glück zu tun hatte.
Am Nachmittag stand eine ganz besondere Einheit auf dem Plan: ein richtiges Lauftechniktraining mit VideoanalDSC_2710yse.
Die Quintessenz des Ganzen: wir sind wirklich keine Bahnläufer. Durch die Bank weg haben wir einen so genannten Stemmschritt, der wahrscheinlich für uns einfach etwas mit der Trittfestigkeit im unwegsamen Gelände zu tun hat. Bei weichen Waldboden muss man eben mit ordentlicher Kraft auftreten, sonst rutscht man weg und kommt nicht vorwärts. Auf der Bahn oder Wegen ist das aber hinderlich, da einfach sinnlos Energie verheizt wird. Heißt, wir müssen auch den ökonomischen Laufstil erlernen, um ihn in den Situationen, in denen wir ihn brauchen, abrufen zu können. Also beim Lauftraining immer schön an die 80er und Vokuhila denken, dann klappt das auch mit dem vorne kurz (aufsetzten) und hinten lange (Beine).
DSC_2720Am nächsten Tag beim Crosstest mit OL-Pausen mussten wir dann 100% geben. Vier 1km lange Runden für die Jungs und drei für die Mädchen mit verschiedenen kurzen OL-Strecken in den Pausen sollten gelaufen werden. Das schwierigste war, nach dem man mit ziemlichen Affenzahn die Crossrunde durch den Wald und steil bergauf und bergab absolviert hatte, ging es direkt auf die OL-Strecke und man musste sich bei Maximalpuls irgendwie sicher zum erste Posten orientieren.
Leider hatte Moritz an diesem Tag ganz großes Pech und ist ziemlich böse umgeknickt. Im Krankenhaus hat er einen Verband und mindestens eine Woche Laufverbot bekommen. Hoffen wir, dass es ihm bald wieder besser geht, denn aus diesem Jungen kann noch etwas ganz großes werden, da bin ich mir sicher.
Nun kämpfen die Olympioniken schon seit einigen Tagen erfolgreich um Medaillen und gute Platzierungen. Doch davor gab es eine grandiose Eröffnungsfeier, die ich mir natürlich angesehen habe. Als OLer sieht man das alles irgendwie auch immer mit ein bisschen Wehmut, denn wir dürfen wohl gefühlt nie an dieser phänomenalen Veranstaltung (natürlich im Sommer) teilnehmen.  Es ist eine Schande, wenn man bedenkt was für teilweise wirklich unbekannte Sportarten auch jetzt bei den Winterspielen dabei sind. Dummerweise kann man, nach der Meinung vieler Fernsehleute, Ski- oder Snowboardfahrer, die geniale Akrobatik darbieten besser im Fernsehen zeigen als OLer, die am Start im Wald verschwinden und irgendwann am Ziel wieder auftauchen. Egal wie oft man ihnen sagt, dass das nicht stimmt und es heute Möglichkeiten gibt auch unseren Sport in Szene zu setzten. Durch die Kapitalisierung der Spiele sind die Chancen für Randsportarten immer geringer irgendwann einmal dabei zu sein. Was cool und gefährlich aussieht verkauft sich eben besser, als zerkratzte Beine, einen Flow, den man nicht so richtig beschreiben kann und eine Gemeinschaft, die auf viele wie eine große (nicht immer glückliche) Familie wirkt.
Die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht, nein bestimmt, ist es irgendwann so weit, dass auch OLer bei der großen Eröffnungsparade ins Stadion laufen und vielleicht sogar ein OLer die olympische Fackel ein paar Meter tragen darf. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass wir das auch noch miterleben.

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