Eine Woche mit dem besten Orientierungslaufverein der Welt

Der Halden SK ist der der amtierende Sieger der 25manna, dessen Gewinner sich „världens bästa orienteringsklubb“ nennen darf.
In meiner dritten Urlaubswoche besuchte ich Sabine in Halden/Norwegen. Sie arbeitet dort gerade als letztes von vielen Au-Pairs bei Grans.
So kam ich in den Genuss im Haus der einzigen deutschen WM-Medaillengewinnerin zu wohnen (Bronze über die Mitteldistanz bei der WM 1999 in Schottland). Frauke und ihre Familie waren sehr nett und ich habe mich dort pudelwohl gefühlt.
Frigg ist zwar kein Pudel, wohnt aber auch bei Grans. Sie ist schon ein bisschen alt, aber zu einer großen Runde Gassi gehen sagt auch sie nicht nein. Deshalb gingen wir am Montag erstmal durch den Hauswald, durch den Matsch, über Bäche und Bäume. Die Sonne und die frische Luft trugen zum Glück dazu bei, dass mein Schnupfen nicht schlimmer wurde und Sabine und ich am Nachmittag zum Hallentraining radeln konnten.
Wenn man in Halden ist, muss man natürlich die scheinbar endlosen Trainingsmöglichkeiten des Halden SK ausnutzen. Beim Hallentraining geht es hart zur Sache, schon die Erwärmung würde die meisten Leute an ihre Grenzen bringen. Entweder man verliert das Gleichgewicht oder schafft es eben nicht noch einmal sein Bein und seine Arme hoch zu heben. Ich habe mich ganz gut geschlagen und konnte sogar im Rhythmus zur Musik mit springen und es ist auch einfach motivierend, wenn Eva fröhlich in der Mitte herum hüpft und dreißig Leute drum herum hopsen und versuchen alles mehr oder weniger genau nach zu machen.
Das Krafttraining fiel an diesem Montag etwas gemäßigter aus, da Vendula uns extra zeigte was man alles falsch machen kann bei den Übungen und wie es richtig aussehen muss. Sabine und ich waren darüber nicht so traurig, da wir sowieso etwas erkältet waren.
Am nächsten Tag ging es mir schon wieder gut und ich konnte mit Olav, Fraukes ältestem Kind, bei den Testrunden auf der Festung starten. Das coole daran war, dass diese Festung das Wettkampfgelände des Weltcups in Halden nächstes Jahr sein wird. Man darf dort ohne Karte herum gehen und laufen und sich alles anschauen, was wir natürlich gemacht haben. Als Schmankerl spielte eine uns unbekannte Band gerade auch noch ein Musikvideo auf der Festung ein, so dass wir gut gelaunt zum Start kamen. CIMG3958Zum Aufwärmen liefen alle gemeinsam einmal die 2,8km lange Testrunde, die teilweise ganz schön steil auf-, und abwärts und auf kleinen Waldpfaden entlang geht. Dummerweise hatte ich mir den Weg noch nicht ganz genau gemerkt und bin einmal falsch abgebogen. Zum Glück war ich da noch mit ein paar anderen zusammen, die mich zurück riefen. Sonst musste ich auf der zweiten Runde immer mal langsamer laufen, weil ich dann ganz alleine war und mir manchmal nicht ganz sicher über den Streckenverlauf war.
Nach diesem schnellen Training folgte am Mittwoch das erste OL-Training, natürlich bei Nacht. Ich war ja letztes Jahr in Eskilstuna schon einige Nacht-OLs gelaufen und dachte, dass es schon klappen würde. Falsch gedacht, irgendwie wusste ich schon auf dem Weg zum ersten Posten nicht mehr so genau wo ich bin. Zum Glück starteten wir alle gemeinsam und so konnte ich erstmal hinter her laufen und mit der Karte „warm“ werden. Ab dem vierten von zwölf Posten habe ich dann alleine versucht die Posten zu finden, wenn sie denn hingen und bei den letzten beiden hat das sogar ganz gut geklappt. Die OL-Trainings in Halden sind natürlich auch besonders interessant, da in zwei Jahren die WM nur einmal über die Grenze nach Schweden in Strömstad stattfinden wird und das Gelände ziemlich ähnlich ist.
Am nächsten Vormittag schaute ich mir den Wald auch mal bei Tageslicht an. Beim Staffeltraining mit zwei anderen Damen von Halden, musste man trotzdem schnell sein. Es lief zum Glück deutlich besser und nach dem zweiten Staffelstart war ich sogar als erste im Ziel. Der Wald in Halden unterscheidet sich in seinem Detailreichtum nicht so sehr vom Wald um Eskilstuna, da waren die Heimatgefühle nicht fern.
Am Abend fuhren wir zur Höjas, der Vereinshütte des Halden SK. Was man eben so Hütte nennt, es handelt sich dabei eher um fünf, sechs „Hütten“, die Umkleiden, Sauna, Cafe, Kraftraum und Schlafräume beherbergen. Beim Training wagte ich mich im Dunkeln auf eine Karte, nur mit Höhenlinien. Am ersten Posten lief es noch nicht so gut, aber dann kam ich einigermaßen zurecht und lief zum Schluss sogar noch zwei Posten zusätzlich an. Leider habe ich gerade die nicht so gut gefunden, aber es war auf jeden Fall eine gute Vorbereitung auf den Nacht-Wettkampf am nächsten Tag in Halland/Schweden.
Danach noch eine Runde in der Sauna schwitzen und die Reste von Sigrids Waffel essen und der Abend war perfekt.
Bevor wir nach Halland fuhren ging es am Freitagvormittag noch in die Schule. Ja, eigentlich sind Sabine und ich zu alt dafür, aber OL-Theorie-Unterricht gibt’s eben nicht überall. In dieser Stunde ging es ums Höhenverständnis und beim Test hatte ich tatsächlich null Fehler. Anscheinend habe ich nicht so große Probleme damit.
Am Nachmittag fuhren wir dann los zur Hallandspremiären, wo die Haldener Jugend jedes Jahr in einem großen Bus hinfährt.
Alle die 2012 beim O-Ringen wahren, erinnern sich bestimmt noch an Sommer, Sonne und Strand bei der dritten Etappe. Genau da liefen wir auch am Freitag. In der Nacht hat es das Gelände ganz schön in sich, vor allen Dingen, wenn der Bahnleger die Posten im Tälchen in den Krüppelkiefern versteckt. Da kann es schnell mal passieren, dass man sogar mit der sicheren Route zwei Versuche braucht, um den Posten zu finden.
Auch die Dünen direkt am Strand sind im Dunkeln nicht ohne, besonders, wenn einem oben auf dem Hügel Wasser, Salz und Sand nur so um die Ohren fliegen und es so sehr in den Ohren rauscht, dass man keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.
So kam ich mit einer eher schlechten als rechten Zeit ins Ziel und fand mich gerade so in der besseren Hälfte in der Ergebnisliste der D21 wieder. Dafür war Sabine umso besser. Sie ging das Rennen wegen einer Erkältung ganz ruhig an, vermied dadurch größere Fehler und wurde ganz souverän Zweite in der D20.
Nach einem großen Teller Pasta ging es schnell ins Bettchen, denn am nächsten Morgen ging es weiter mit einer Mitteldistanz.
Nach einer Woche mit eher durchwachsenem Wetter wurden wir am Samstagmorgen von Sonnenschein geweckt und genossen beim Frühstück den wunderschönen Ausblick über Meer, Strand und Dünen.
Am Samstag konnte ich leider schon nicht mehr mitlaufen, da 13 Uhr mein Zug in Halmstad abfuhr. Der Busfahrer war aber so nett mich extra vom WKZ der Mitteldistanz wieder zurück zum Bahnhof zu fahren. Die anderen hatten glaube ich einen echt tollen Wettkampf mit viel Sumpf und Sonne.
Für mich ging es in einem menschenleeren Bus zum Bahnhof und dann in zehn Stunden zurück nach Berlin. Das war das Ende meiner dreiwöchigen, trainings- und erlebnisreichen Reise.
Hier noch einmal ein großes DANKESCHÖN an Johnny, Jens, Karin, Kai, Sabine und Familie Gran, die mich alle sehr nett bei sich zu Hause und in der Hütte aufgenommen haben und diese Reise erst möglich gemacht haben.
Zurück in Berlin hatte ich nicht viel Zeit, nur 16 Stunden später ging nämlich mein Flieger nach Italien zum Sprint-Camp in Venedig und zur MOC in Florenz.

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