Unter „Feinden“…

Der USV TU Dresden ist bekannt als eine Hochburg des deutschen Orientierungslauf. Trainingsmöglichkeiten in Hülle und Fülle, gut organisierte regionale, nationale und internationale Wettkämpfe und interessantes und anspruchsvolles Gelände warten auf alle Orientierungswütigen in und bei Dresden.

Kein Wunder, dass dabei eine motivierte und spaßige Jungendgruppe entsteht, die TU-Jugend. (Was man so Jugend nennt mit 26 Jahren.) Und sie scheinen überall zu sein, denn zu übersehen sind sie auf keinen Fall, wenn sie in ihren neongrünen Pullovern über jede Zielwiese der Nation hoppeln.
Doch man gehört nicht einfach nur zur TU-Jugend, man muss sich seine Sporen auch verdienen. Zum Beispiel beim Vielposten-OL. Dabei geht es für die Jugendlichen nicht darum der oder die Schnellste auf der Strecke zu sein. Nein, sie sind dafür verantwortlich, das über 100(!) Posten rechtzeitig am richtigen Platz im Wald stehen. Nebenbei muss natürlich auch die restliche Wettkampforganisation gemanagt werden. Was in Anbetracht von mehr als 250 Startern keine so leichte Aufgabe ist.
Zum Glück haben sie Achim. Achim kümmert sich mit Leib und Seele (meist wohl eher mit dem Leib) ums Essen. Die von Läufern und Veranstaltern verbrauchte Energie muss nun einmal auch wieder in den Körper hinein und mit gefülltem Magen ist die Stimmung gleich viel besser.
Am Samstag beim Wenigposten-OL/Flohs Räuber-OL waren nur etwa 50 Leute am Massenstart und mit nur 11 Posten im Wald konnte man diesen Lauf als „OL-Light“ abstempeln. Der Lauf war dann auch absolut laufbetont und ich hatte keine Chance meine Wetten um jeweils ein Eis gegen den Jungendbundeskadertrainer und den Damenkadertrainer zu gewinnen. Spätestens als ich von Jan am Berg einfach stehen gelassen wurde, wusste ich, dass mir die Sprint-Woche doch noch etwas in den Beinen steckt.
Da ich als arme Jenaerin keinen Schlafplatz in oder bei Dresden hatte, durfte ich direkt in Liebethal bei den Organisatoren, also der TU-Jugend übernachten. Während die anderen also 106 Postenständer kunstvoll im Wald verteilten, sammelte ich, damit mir nicht kalt und langweilig wird, die restlichen Posten des Samstags ein. Natürlich fing es dabei doch noch an zu Regen. Zum Glück gab es in der Jugendherberge mehr als eine Dusche und bald war allen wieder mollig warm.

Angriff der TU-Aliens!

Angriff der TU-Aliens!

Man könnte jetzt denken: „Oh nein, ein „Normalo“ zwischen den ganzen neongrünen „TU-Aliens“, das kann ja nicht gut gehen!“ Doch hat man falsch gedacht. Ich fühlte mich pudelwohl und nach dem wir beim „Wer bin ich“ sowieso alle in andere Rollen von Pumuckel über Schlumpfine bis zum Kreismeister geschlüpft waren, gab es sowieso kein normal mehr.
Auch in der Nacht geschah mir kein Leid, denn meine Träume wurden von gleich zwei TU-lerinnen, eine links, eine rechts neben mir im selben Ehebett bewacht.
Am nächsten morgen war ich, während die anderen die Schirme und Stationen raus brachten, als Parkplatzeinweisung eingeteilt. Ein anspruchsvoller Job, wenn man bedenkt, dass auf den Parkplatz gerade einmal 15 Autos passen und ungefähr zehnmal so viele kommen sollten. Zum Glück kamen bald Floh und Cosima, denn länger hätte ich den Automassen allein auch nicht mehr Herr werden können.
Irgendwann waren dann alle da und ich konnte mir endlich eine Startzeit schnappen… noch zwei Stunden bis zu meinem Start. So konnte ich mich jedenfalls von den Strapazen des Morgens erholen und meine in Schweden und Norwegen endgültig zerstörten OL-Schuhe ersetzen. Außerdem durfte ich nun als „offizieller“ Helfer das Verpflegungsprogramm von Achim in Anspruch nehmen.
Dann ging es endlich los. Die Wetten hatte ich natürlich erneuert, denn was ist ein Wette ohen ein ordentliche Revanche? Also musste ich nahezu fehlerlos durchkommen. Wer schon einmal versucht hat 106 Posten hintereinander nahezu fehlerlos anzulaufen, weiß wie schwer das ist. Das Problem hier ist natürlich auch, dass die 106 Posten alle gefühlt direkt hinter einander kommen, obwohl die Strecke 11,2 km lang ist.
Bis Posten 40 denkt man, Mensch das läuft ja doch nicht so schlecht und schon fast die Hälfte geschafft.
Ab Posten 50 merkt man, dass man für kurze Augenblicke nicht mehr ganz bei der Sache ist und die Gedanken abschweifen.
Nach einer Stunde, etwa bei Posten 75, merkt man erste Anzeichen, dass auch der Körper das alles ganz schön anstrengend findet.
Ab Posten 80, weiß man: „Ja nur noch 26, 25, 24… Posten!“. Der Countdown läuft, gegen Konzentrationsmangel und Erschöpfung.
Nun ja, irgendwie habe ich es geschafft trotz dieser Herausforderungen alle Posten nahezu perfekt zu finden und nach nur 86 Minuten und 29 Sekunden ins Ziel zu kommen. Die letzte Herausforderung war dann die drei Kilometer zurück ins WKZ zu joggen und dabei nicht über seine eigenen Füße zu stolpern.
Die Wetten habe ich übrigens haushoch gewonnen. OL besteht eben aus O und L, und kein Lauf kann das besser demonstrieren als der Vielposten-OL.
Natürlich ein riesiges Dankeschön an die TU-Jugend, die mich aller Vereinsgrenzen zum Trotz oder gerade deswegen, so lieb aufgenommen haben und diesen genialen Lauf so perfekt organisiert haben.
Achja, wer nicht weiß wer oder was die TU-Jugend ist: hier stellt sich ein Großteil von ihr vor: http://tu-ol-dresden.de/daten/kader.cgi
Mehr Fotos: http://www.flickr.com/photos/tuol/sets/72157642928812274/with/13453667164/

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