Die Post ist da!

Der Post SV Dresden ist die gelbe Größe im deutschen OL und vor drei Wochen hatte ich das Vergnügen mit dieser lustigen Truppe nach Eksjö/Schweden zur 10Mila zu reisen.

Los ging es am Mittwochabend mit einer nächtlichen Fährfahrt nach Trelleborg. Die erste Nacht im Schlafsack war somit schon 6 Uhr zu Ende, als die Fähre anlag und wir den restlichen Weg mit dem Auto zurücklegen mussten.

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Lilla Götskögle

Sobald wir am Ziel, den Hütten von „Lilla Götskögle“ angekommen waren, wussten wir: „Diese Reise hat sich gelohnt!“ Zwei kuschelige Holzhütten mit einem phänomenalen Ausblick über den Brunnshultadammen (ein hübscher aber noch eiskalter See) und die umliegenden Berge waren für zwei Tage unser Quartier.

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Brunnshultadammen

Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir entspannt durch den Wald und suchten und fanden ein paar Posten. Das Gelände war leider relativ grün und platt, so dass es nur wenige Stellen mit den tollen typischen Hügelchen aus dem Sörmland (rund um Eskilstuna) gab.
Leider war es trotz des Sonnenscheins ziemlich kalt, da ein frischer und stetiger Wind durch jede noch so dicke Jacke blies und auch zwei Jacken und Pullis halfen nichts.
Um uns aufzuwärmen fuhren wir in die Innenstadt von Eksjö. Die ist zwar sehr klein, was bei gerade mal 10.000 Einwohnern kein Wunder ist, aber dafür umso hübscher. Viele kleine bunte Holzhäuschen säumen die Straßen. In den Häuschen finden sich viele Handwerksläden und gemütliche Cafés. Perfekt für ausgekühlte und hungrige OLer, wenn nicht gerade der erste Mai gewesen wäre. Auch in Schweden ist das ein Feiertag und die meisten Läden haben geschlossen. Die obligatorische 1.Mai-Demonstration erlebten wir natürlich auch mit. Nur der Supermarkt und ein mongolisches Restaurant hatten geöffnet. Tja, nix mit Kanelbullar und heißer Schokolade. Beim Mongolen gab es dafür eine Kellnerin die schlechter schwedisch Konnte als über die Hälfte der Leute am Tisch, die auch alle nicht aus Schweden kamen. Ja, ja die Globalisierung macht auch vor kleinen schwedischen Städtchen nicht halt. Apfelkuchen, Kaffee und Tee gab es zum Glück trotzdem.

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alle pappsatt

Kurz bevor es dunkel wurde fuhren wir zurück in den Wald zum Nacht-Training. Glücklicherweise war das Gelände in Eksjö nicht so schwer wie in Halden, so dass ich ohne größere Suchaktionen die Posten auch mit kleiner Kopflampe fand. Nur die vielen Weiden und Stacheldrahtzäune auf einer Verbindung waren ein bisschen verwirrend und die Angst vor auf der Weide vergessenen Kühen ließ mich vor jedem Zaun stocken.
Dann war dieser lange, aber sehr schöne Tag auch schon vorbei und wir krochen erschöpft in unsere Schlafsäcke.
Den nächsten Tag nutzten wir zur Erholung und für ein letztes OL-Training vor dem großen Tag. Wie immer häufiger bei mir, lief die Generalprobe mehr schlecht als recht, obwohl das Gelände nicht so kompliziert war. Am Abend wurden dann alle Speicher aufgefüllt und die Stimmung mit Kartenspielen hoch gehalten.

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Bitte lächeln!

Das obligatorische Gruppenfoto im phänomenalen Sonnenuntergang durfte natürlich auch nicht fehlen.
Bei weiterhin strahlendem Sonnenschein und böigem Wind kamen wir am nächsten Vormittag in der Arena an. So eine 10Mila- Arena ist nicht einfach nur ein Zieleinlauf mit ein paar Zelten drum herum, nein hier gibt es alles und noch viel mehr, denn 10.000 Leute wollen 24 Stunden verpflegt und unterhalten werden.

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auf der Brücke zum Zieleinlauf mit Blick über die Arena vor dem großen Tag

Am Auto verabschiedete ich mich von der „Post“ und machte mich auf den Weg zum Ärla IF. Dieses Jahr wollten wir es wissen. Bei den Herren und Damen hatten wir die besten Staffeln seit Jahren aufgestellt und hatten gute Chancen auf eine Top20- bzw. Top50-Platzierung. Dabei muss man bedenken, dass der Ärla IF nur ein „Dorfverein“ ist und bei der 10Mila jeweils über 300 Staffeln starten.
Nach meinem Staffellauf bei der EM wurde entschieden, dass ich auch bei der 10Mila die Startstrecke laufen sollte. Um 14:30 begann also die größte Prügelei, an der ich jemals teilgenommen habe. Schon 50 Meter nach dem Start stolperte vor mir ein Mädchen, fiel hin und eine zweite darüber. Ich konnte im letzten Moment ausweichen und weiter über die Staubpiste rennen, aber es hätte echt jeden treffen können. Gerade als wir kurz davor waren, alle an Staublungen zu sterben ging es zum Glück in den Wald. Erst mal durchs Dickicht und den Berg hoch kämpfen. Nach weiteren 50 Metern: Stau! Was tut man da? Nach links ausscheren und an allen vorbei ziehen! Das hat super geklappt und oben auf dem Kahlschlag war ich mit in der Führungsgruppe. Davon war ich jedoch so überwältigt, dass ich zu den nächsten Posten ein paar Schlenker machte und am ersten TV-Posten irgendwo mitten im Feld stempelte. Danach wurde mir gesagt, dass ich dort 55. war. Danach lief es eigentlich ganz „normal“, was bei so einem Rennen normal nennen kann. Tempomäßig war ich gut drauf und die Posten habe ich perfekt gefunden. Ich dachte, ok dann bin ich jetzt um den 100. Platz rum oder so. Erst auf den letzten Metern zur Zielstation hob ich meinen Blick zur Anzeige, welche die Läufer durchzählt und zu meinem Erstaunen stand dort eine 16, eine 16! Ich war also die 17. im Ziel von allen 323 Startern. Das war besser als alles was ich mir davor erträumt hatte.
Auch Lisa, unsere zweite Läuferin, hatte wohl nicht damit gerechnet und vor lauter Aufregung verbockte sie gleich zwei Posten und verlor über 10 min. Der Traum von der Top50-Platzierung war schon nach der zweiten Läuferin geplatzt. Ich bin noch immer erstaunt wie motiviert die anderen drei trotzdem noch auf die Strecke gingen und Platz um Platz aufholten. Am Ende reichte es für den 105. Nicht mal für die Top100 hatte es gereicht, aber das war unwichtig denn 19:30 starteten schon die Herren und denen sollte nun unsere gesamte Aufmerksamkeit gelten, eine ganz Nacht lang.
geht im deutschen OL nicht voran, aber diese Momente überzeugen einen vom Gegenteil und geben Hoffnung für die Zukunft.
Ärla startete nicht ganz so gut ins Rennen, war aber immer, wie auch Tyrving, in der Führungstram dabei. Die Post war nach dem zweiten Läufer leider nur noch auf Platz 285 holte in einer rasanten nächtlichen Aufholjagd noch 125 Plätze auf und lief am nächsten Morgen als 160. ins Ziel.
Die Jungs aus Ärla blieben die ganze Nacht dran und Robin lief nach der vierten Strecke sogar als 2. (!) zum Wechsel. Nicht nur wegen der traumhaften Hütten auch wegen der Show hat sich die Reise zur 10Mila gelohnt. Jede Führungstram wurde mit Feuerfontänen und Lasershow im Ziel willkommen, die Stimmung war fantastisch und Robin war mittendrin.

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„dunkle“ Nacht

Den größten Teil der Nacht verbrachte man als Zuschauer vor der riesigen Leinwand auf der 24 Stunden lang Bilder aus dem Wald, GPS-Tracks und Zwischenergebnisse liefen. So kamen alle in den Genuss der besten Fehler der Nacht und des Gefühls alleine nur mit einer Kopflampe durch den dunklen Wald zu laufen.
Während der „långa natten“ (lange Nachtstrecke) legte ich mich dann doch mal eine Stunde schlafen, aber so richtig schlafen geht bei -1°C im Zelt sowieso nicht. Dann doch lieber durch die Arena laufen und hoffen, dass man dabei warm wird. Leider verlor Ärla im Laufe des Morgens den Kontakt zur Führung, war aber immer noch im Kampf um die Top20 dabei.
In diesem Jahr hatten die Veranstalter die Streckenlängen etwas anders auf die Bahnen verteilt, so dass viele Staffeln völlig anders als in den letzten Jahren aufgestellt wurden. Auch 10Mila-erprobte Teams wie Halden SK hatten wohl einige Problem damit. Anstatt wie gewohnt vorne mitzumischen mussten sie kämpfen wieder in die Führungstram zu kommen. Das gelang ihnen überraschenderweise nicht und Halden musste sich dieses Jahr am Ende mit einem zwölften Platz zufrieden geben. Besser lief es wieder einmal für Kavelan Rasti. Während der achten Strecke standen wahrscheinlich alle wie gebannt vor dem Großbildschirm und staunten wie der OL-König Thierry Gueorgiou für Kavelan Rasti laufend, einfach alle anderen Weltklasse-OLer wie lahme Schnecken aussehen ließ. CIMG4203Die Sonne ging langsam auf und gegen 6:45 morgens war es endlich soweit, Kavelan Rasti lief ins Ziel und holte sich damit den 4. Sieg in fünf Jahren! Einfach unschlagbar diese Jungs.
Ein paar Minuten später kam auch schon der 10. Läufer des Ärla IF und holte den 19.Platz. Die beste Platzierung seit Ende der 70er Jahre, als Ärla 4. wurde.
Nur noch vier Stunden bis mein Auto wieder in Richtung Deutschland rollen sollte. Zeit für ein bisschen Schlaf in der wärmenden Sonne. Der Wind war zwar immer noch da, aber dann bemerkt man seinen Sonnenbrand wenigstens nicht.
Gegen vier Uhr morgens war ich wieder in Berlin und freute mich trotz Müdigkeit und Erschöpfung schon wieder auf die Jukola in Finland am 14.Juni, denn dann Laufe ich wieder eine große Staffel für den Ärla IF und dann rocken nicht nur die Jungs, sondern auch die Mädchen!

Photos by Post SV Dresden und TU Dresden

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