Wie in alten Zeiten

Die DM Sprint in Bad Lippspringe ließ Erinnerungen an wunderbare Zeiten wach werden.

Los ging es am Freitag 16:10 am S-Bahnhof Buch, also 16:10 sollte es losgehen. Unser Fahrer kam so gegen 16:40 und die Letzte kurz vor 17 Uhr (Namen werden selbstverständlich nicht genannt). Das ganze Gehetze von der Uni nach Hause und zur S-Bahn war also völlig umsonst.
Irgendwann fuhren wir los und ich freute mich schon auf ein paar Stunden Schlaf und Entspannung. So weit der Plan, in Wirklichkeit hatte das Auto viereckige Räder und wir verbrachten vier Stunden in einer Rüttelmaschine, nur locker waren wir danach nicht.
In der Turnhalle angekommen, habe ich also erstmal die Laufschuhe geschnürt und bin eine Runde bei Nieselregen durch Bad Lippspringe gehoppelt. Schon im Dunkeln sah man, dass in diesem Örtchen hauptsächlich alte, reiche Menschen in großen, geschmacklosen Villen mit langweiligen Vorgärten wohnen. Ein Wunder, dass es dort einen so großen Schulkomplex mit Turnhalle gibt.
Dann endlich schlafen, Morgen würde ein anstrengender und wichtiger Tag werden. Denn es war DM, WM-Quali, JEM-Quali, Sprint-WRE und BRL!
Der nächste Morgen zeigte sich zum Glück etwas trockener und so konnten wir im Vorlauf ungebremst durch den Schulkomplex und die Innenstadt heizen.
Alle Favoriten, viele die es sicher schaffen und einige die still und leise darauf gehofft haben qualifizierten sich für das A-Finale ihrer Altersklasse.

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Resi auf dem Weg zum Vizemeister

Zwischen dem Vorlauf und dem Finale galt es zu Essen, zu Schlafen, zu Quatschen und vielleicht sogar ein ganz klein wenig für die Uni zu machen. Hauptsache war, sich nicht viel zu bewegen und Energie fürs Finale zu sparen
Natürlich gab es auch Spekulationen darüber, wer das Rennen machen würde. Resi und ich zählten uns nicht dazu, Sprint ist ja nicht so unser Ding.
Auf meiner Startnummer beim Finale stand eine große rote Zwei, da ich meinen Vorlauf gewonnen hatte und Sabine den anderen. Trotzdem haderte ich am Start noch ein bisschen mit meiner schmerzenden Hüfte, aber mein bester Freund das Adrenalin hatte kurz vor dem Piep alle bösen Gedanken und Schmerzen vertrieben.

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hopp hopp

Die größte Herausforderung während des Laufes bestand darin auf dem regennassen, glitschigen Pflaster nicht auszurutschen. Schon beim Einlaufen traute ich mich kaum zu bremsen, also galt auch für das Rennen: einfach nicht bremsen. Ich gab alles und hatte direkt vor dem komplizierten Teil der Strecke Resa, die eine Minute vor mir gestartet war, eingeholt. So kam ich auch dort sicher durch und stempelte mit 43sek (!) Vorsprung den Sichtposten. Die Stimmung am Sichtposten war famos. Überall waren klatschende und jubelnde OLer. Die letztes paar Posten liefen auch super. Nur zum Endposten nahm ich die falsche Route und hätte mich in der letzten steilen Kurve beinah vor allen Zuschauern auf die Nase gelegt. Zum Glück ging alles gut und ich kam trotz einiger Rutschpartien heil ins Ziel. Einen Moment später kam auch schon Resa und dann fehlte nur noch Sabine in der Damen-Elite.

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Flower Ceremony

Auch sie wurde mit tosendem Applaus im Ziel empfangen und dann war es Zeit für das Endergebnis. Der Sprecher verkündete Susen auf Eins, Resi auf Zwei und dann hab ich nichts mehr gehört, denn Resi und ich hüpften laut jubelnd und uns in den Armen liegend durch die Arena.
Es war besser als in alten Zeiten, die Zeiten als Resi und ich jeden Wettkampf rockten und um jedes Sekündchen kämpften, denn jetzt sind wir groß und in der Elite. Es sind diese Momente die uns daran erinnern, dass wir nicht aufhören dürfen zu träumen.

Für mich war dieser Lauf außerdem die Fahrkarte zur WM in Italien. Ja dieses Jahr gibt es kein ewiges Zittern und Bangen, ich bin dabei und freue mich wie ein Honigkuchenpferd darauf.
Löri und Veit waren in ihren Altersklassen auch sehr erfolgreich und holen sich den Sieg bzw. die Bronzemedaille und damit das Ticker zur JEM in Mazedonien. Mein Bruder ist wirklich kein Sprinter und musste sich mit dem 7. Platz in der Herren-Elite zufrieden geben.
Zurück in der Turnhalle und frisch geduscht standen Resi und ich vor dem größten Problem des Tages: „Was ziehen wir bloß an?!“ Da wir beide nicht damit gerechnet hatten auf dem Treppchen zu stehen, hatten wir natürlich auch keine passenden Outfits dabei. Aber uns konnte nichts mehr aus der Fassung bringen und in der Tasche eines Mädchens findet sich dann doch immer etwas.

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Damen- und Herren-18

Die Siegerehrung war sehr schön, aber eigentlich warteten alle nur sehnsüchtig auf die typisch westfälische OLer-Party. Und welchen besseren Grund als einen Doppelsieg in der Damenelite und einen Sieg in der D18 gibt es, um mal richtig zu feiern?
Die Stimmung war super, die Musik meist auch. Resi war die Vernünftigere von uns beiden und hatte sich schon eher in den Schlafsack verabschiedet. Als ich mit dem restlichen sehr netten und fröhlichen Partyvolk auf dem Rückweg war, muss es schon weit nach Mitternacht gewesen sein.
Dem entsprechend ging es mir am nächsten Morgen vor der Langdistanz. Mein lieber Freund Adrenalin sorgte glücklicherweise dafür, dass ich bis zum Start wieder einigermaßen fit war. Berg hoch waren die Beine eher betonartig, aber das Tempo und die O-Technik waren trotz der Müdigkeit gar nicht so schlecht. O-technisch war es auch nicht so schwer. Leider ließ am Ende die Konzentration nach und ich musste, die gerade zurück erkämpfte Führung am drittletzten Posten wieder an Monika abgeben. Mein Bruder musste sich Christoph geschlagen geben und landete ebenfalls auf Platz zwei.
Dem Organisationsteam kann ich zu diesem Wochenende nur gratulieren und ich wünsche mir mehr davon in den nächsten Jahren!
Die Berliner mussten schnell wieder Heim, so dass ich mich gar nicht von allen verabschieden konnte. Noch einmal vier Stunden in der Rüttelmaschine waren wieder alles andere als entspannt und ich war froh gegen halb acht endlich zu Hause zu sein. Mein lieber Mitbewohner hielt mich dann während des Abendessens wach, damit ich nicht auf dem Tisch einschlafe.
Jetzt genieße ich mein „freies“ Wochenende und nächste Woche ist es dann Zeit für „Mission Gold“ mit Marie und Löri bei der DM Staffel.

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Ein Kommentar zu “Wie in alten Zeiten

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