Schlafen kann man, wenn man tot ist.

 

Oder das OL-Wochenende vorbei, was manchmal dem „Tot-sein“ nicht ganz unähnlich ist.

Aber wie meine Oma immer so schön sagt: „Wenn einen nichts zwickt und zwackt, dann ist man tot.“ Ich bin also froh, wenn ich am Sonntagabend nach einem anstrengenden, aber wunderschönen OL-Wochenende zu Hause bin und mir alles weh tut und ich vor Erschöpfung einfach an Ort und Stelle einschlafe.
Letztes Wochenende fand die DM Staffel und ein BRL/WRE in Ehrenfriedersdorf bei den Greifensteinen statt. Schon am Freitagnachmittag machten wir uns auf den Weg. Dieses mal zum Glück in einem sehr ruhigen und bequemen Auto, so dass wir völlig tiefenentspannt in einer hübschen Schule im Erzgebirge ankamen. Bei einer kleinen, höhenmeterreichen Tour im Sonnenschein haben wir uns dann noch fit für den nächsten Tag gemacht und nach dem Abendessen gemütlich und voller Hoffnung in den Schlafsack gemummelt.
Am nächsten Morgen haben wir schön ausgeschlafen und gefrühstückt. Trotz eines kleinen Unfalls mit einem Würstchenglas waren alle gut drauf und freuten sich auf den Lauf im Wald um die Greifensteine. Die Sonne schien, nette Menschen um einen herum und ein toller Wald wartete auf uns. Was will man mehr? Natürlich die Goldmedaille, denn nach dem Vizetitel bei DM Staffel vom letzten Jahr war Mission Gold ausgerufen worden!

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Start!

Pünktlich um zwölf viel der Startschuss und die ersten Läuferinnen gingen auf die Strecke. Unsere Startläuferin Marie war vorher ganz schön aufgeregt und konnte leider auch im Wald nicht ganz die Kontrolle behalten. Sie wechselte mit circa sieben Minuten Rückstand auf ihre kleine Schwester.

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Löri geht auf die Strecke

Löri schlug sich auf eine ihrer ersten Elitestrecken als D18erin sehr gut und holte drei Plätze auf. Die zweite Läuferin des führenden TU Dresden war fast genauso schnell, so dass der Rückstand immer noch sechs Minuten betrug. Eine phänomenale Aufholjagd musste her! Dementsprechend aufgeregt und immer noch voller Hoffnung ging ich 20sek nach den zweitem Team TV Alsbach in den Wald. Karin Schmalfeld, eine der erfolgreichsten deutschen OLerinnen der letzten Jahre lief dort die letzte Strecke.
Ich spurtete zum ersten Posten und verbockte ihn natürlich gleich. Karin hab ich überhaupt nicht gesehen, dafür war Josi, für Bad Harzburg laufend, mir dicht auf den Fersen. Auch am zweiten und dritten Posten kamen ein paar unnötige Schlenker dazu. Na gut, neu anfangen, alles von vorn. Tempo raus nehmen, sicher orientieren und plötzlich klappte es, bis auf, dass mich das ständige umgefalte der Karte auf die Postenbeschreibung immer wieder aus dem Rhythmus brachte. Und tatsächlich, ein paar Meter vor dem Sichtposten erblickte ich Karin. Ich war schon ganz schön am Ende und wusste bei dieser Schlussschlaufe muss ich trotzdem alles, wirklich alles geben! Also bin ich noch auf der Sichtstrecke an ihr vorbei gezogen und dann ging es in einem Gewirr aus Kuppen und Gräben zu den letzten vier Posten. Nun ja, bis zum vorletzten Posten lag ich vorn und dann wusste ich die Codezahl nicht. Also Karte auffalten, Codezahl kontrollieren, Karte zusammen falten, wo geht’s zum Endposten? und plötzlich war Karin vorbei gezogen. Mist. Ihre drei Meter Vorsprung konnte ich leider nicht aufholen und so wurden wir etwas glücklich-unglücklich Dritte.
In den Splits kann man das Unglaubliche nachlesen: Karin und ich hatten die ganze Zeit genau die gleiche Strecke haben und uns trotzdem bis 500m vor dem Ziel nicht gesehen! Durch meine Fehler am Anfang hatte sie am 5. Posten sogar schon 90sek Vorsprung. Eigentlich sehr schade, dass ich mit dieser erfahrenen OLerin nicht eine längere Weile mit orientieren und etwas lernen konnte.
Im Ziel erfuhren wir dann auch, dass Patschi, die dritte Läuferin von den Siegern des TU Dresden, nur eine Minute vor uns die Ziellinie überquert hatte. Wirklich schade, dass die Strecke nicht noch einen Kilometer länger war… das wäre ein Spaß geworden!
Mission Gold war also gescheiter, aber das ist kein Grund zum traurig sein, denn wir sind jung und können noch oft um den Staffelmeistertitel kämpfen und weit sind wir davon wirklich nicht entfernt.

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Sören im Zieleinlauf nach einem heldenhaften Kampf im Wald

Nur der Himmel war traurig, denn fünf Minuten nach unserem Zieleinlauf fing es an zu nieseln. Keiner hatte an diesem fröhlich sonnigen Vormittag damit gerechnet, doch bald wurde der Himmel immer dunkler und es schüttete aus allen Eimern. So blieb der Zieleinlauf der Herren-Elite im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln.
Während des Gewitters kämpften sich noch viele Helden durch den nassen und düsteren Wald. Alle anderen saßen also im Zelt, wo so langsam auch innen das Wasser stand und warteten auf ihre Helden. Diese wurden dann mit tosendem Applaus in Vereinszelt, so fern man denn eines hatte, begrüßt.
Nach einer guten Stunde lichtete sich der Himmel zum Glück und wir wagten uns auf den Rückweg zur Schule und zur warmen Dusche. Nachdem alle wieder trocken und warm waren, hatten wir vor allem Hunger. Der einzige Döner-Pizza-Mann im beschaulichen Ehrenfriedersdorf hat an diesem Samstag wahrscheinlich das Geschäft seines Lebens gemacht. Trotz dessen, dass die Hamburger angebrannt waren und man vom türkischen (warmen Waldmeisterbrause)-Tee eine grüne Zunge bekam. Alexas Zunge war auf jeden Fall ein echter Hingucker.

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die drei besten Teams des Tages

Auf dem Weg zur Siegerehrung galt es die letzte 50 Höhenmeter große Herausforderung zu bewältigen, den Berg hoch zum Festsaal des Bergvereins. Sogar die Sonne schien wieder von einem strahlend blauen Himmel und es wurde ganz schön warm. Im Festsaal herrschte auch schon eine heiße Stimmung. Die Siegehrung war hübsch und kurz und so wurde die Stimmung schnell noch heißer als Annas Band auf die Bühne stieg und sogar einige der muffeligsten Tänzer unter den OLern auf die Tanzfläche lockte. Noch mal ein riesiges Lob an Anna und ihre Jungs. Ihr spielt und singt richtig klasse und es war eine Freude Zuhörer und Mittänzer bei eurem ersten Konzert zu sein! Weiter so! Während die Sonne also langsam in einem wunderschönen roten Sonnenuntergang hinter den Bergen verschwand, tanzten wir uns locker für den nächsten Tag.
Doch irgendwann hilft auch „Nein Mann, ich will noch nicht gehen“ nichts mehr gegen Aufräumer und nach einer kurzen, aber überaus leckeren und überhaupt nicht Bauchweh verursachenden Stärkung mit schweizer Schoki und schwedischen Lördagsgodis machten wir uns auf den Rückweg zur Schule.
Ich liebe ja dieses Gewusel und Gequatsche auf der Zielwiese und im Massenquartier, doch die einzige Möglichkeit sich an einem OL-Wochenende einigermaßen ungestört mit jemandem zu unterhalten ist zwischen ein und fünf Uhr am Sonntagmorgen. Wie gesagt: schlafen kann man, wenn man tot ist, also nutzt man auch diese Zeit. Trotzdem ist die Zeit viel zu kurz und man schafft es nicht mit den liebsten und wichtigsten Menschen so viel Zeit zu verbringen, wie man gerne möchte.
Vor allen Dingen wenn man schon sechs Uhr vom Geräusch sich leerender Isomatten geweckt wird. Da war der Wunsch bis acht Uhr selig träumend im Schlafsack zu schlummern, schon zu Ende. Versuchen kann man es ja trotzdem und als alle anderen so gut wie weg waren, da sie schon 9:00 starteten, standen wir gerade auf und frühstückten erstmal lecker Kuchen und Waffeln und Nuttela-Bananen-Brötchen. Man muss sich ja gut auf die Langdistanz vorbereiten.
Diese wurde auch im Massenstart gestartet und 9:45 ging es für die Elite los. Zwei Schlaufen zu je 5km und 200Hm lagen vor uns. Statt nach dem Startschuss die Karte genau zu studieren, prägte ich mir nur kurz den Weg zum ersten Posten ein und riss dann die Postenbeschreibung aus der Karte und platzierte sie mit der Karte im Mund in meinem Halter am Arm. So ein rhythmisch verkorkster Lauf wie am Vortag sollte nicht noch einmal passieren. Auf der ersten Runde wurde ich hartnäckig von Resa und Resi verfolgt. Besonders an dem 100Hm-Berg hoch zum 5.Posten kamen sie mir immer näher. Doch ich wollte nicht wie am Staffeltag sinnlos Energie verballern und gaste, auch weil ich die letzte Trainingswoche noch in den Beinen spürte, nicht einfach los.
Das Gabelsystem war teilweise sehr verwirrend, z.B. als Resi mir kurz vor der Sichtstrecke auf einmal entgegen kam und Resa nach der Sichtstrecke plötzlich weg war. Den zweiten Teil lief ich also alleine, aber dafür bekam ich gelegentlich Unterstützung von den Herren. Die lieferten sich nämlich ein hartes Rennen mit zahlreichen Führungswechseln in den Trams. Es war ziemlich cool da live und in Farbe dabei zu sein und jeden Höhenmeter auch selbst zu spüren, den sie sich in einem Affentempo hoch kämpften. Besonders als die Strecke zum zweiten Mal auf genau dem gleichen Weg den 100Hm-Berg hinauf ging, dachte ich mir: Das muss doch nicht sein. Da war der Bahnleger echt einfallslos. Dank der Jungs musste ich auch die Zielpflichtstrecke nicht allein bewältigen, sondern versuchte eher nicht allzu lahm neben dem zweit- und drittplatzierten Herren Sören und Felix auszusehen. Mehr oder weniger ist mir das gelungen und ich lief als erste Dame und völlig am Ende über die Ziellinie. Zum Glück waren da die Jungs, um mich aus dem nassen Gras wieder hoch zu ziehen.
Der „Trick“ mit der Postenbeschreibung hat übrigens sehr gut funktioniert, ich war zwar läuferisch insgesamt nicht so fix, dafür lief es vom o-technischen Rhythmus einfach viel besser. Vielleicht mach ich das zur Jukola in Finnland in zwei Wochen auch, obwohl dort die „Prügelei“ beim Massenstart noch deutlich größer ist als bei der 10Mila.
Das Wetter an diesem Tag zeigte sich von seiner besten Seite und wir konnten gemütlich auslaufen und zurück zur Schule wandern. Freundlich von den Aufräumern des Post SV Dresden angetrieben, packten wir zusammen und genossen dann eine weitere ruhige Fahrt zurück nach Berlin. Ich habe wunderbar geschlafen und stieg einigermaßen ausgeruht aus dem Auto. Wenig Schlaf und zwei anstrengende Läufe gehen aber doch nicht ganz spurlos an einem vorbei. Glücklicherweise habe ich den nettesten Mitbewohner der Welt, der während ich schon wieder eingeschlafen war, Eierkuchen backte und mich mal wieder beim Abendessen wach hielt, bevor ich wie tot in mein Bett viel und mit wunderschönen Erinnerungen und großen Hoffnungen im Kopf einschlief.

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