Annanass?!

17 Stunden Anreise, 14 Stunden Rückfahrt, 202 Posten und 82 Kilometer in 14 Stunden OL-Training. Wozu das alles?

Damit wir in 24 Tagen gut vorbereitet zur WM fahren können! Das alles „nur“ um wie verrückt durch den Wald rennen können, Spaß zu haben, nette Leute zu treffen und am Ende auf die Ergebnisliste zu schauen und zu sagen: Es hat sich gelohnt!
Das WM-TL in Asiago war ein voller Erfolg, denn wir sind alle kaputt in den Beinen und im Kopf. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber nach 11 Tagen und 15 OL-Einheiten bin ich übersättigt mit italienischem Karst und kann die Karten einfach nicht mehr sehen.
CIMG4251 Doch von Anfang an: Los ging es am Männertag, also eine dreiviertel Stunde davor. Um 23:15 fuhr der Fernbus von Berlin in Richtung München, dann umsteigen und weiter nach Friedrichshafen, wo Jan mich und Imma einsammelte und wir quer durch die immer wieder atemberaubenden Alpen nach Trento/Italien fuhren. Dort holten wir den „sich erstmal einen dönernden“ Bojan ab und gegen 16:00 waren wir dann endlich in Asiago. Um die Beine locker zu bekommen gab es gleich noch ein kleines OL-Training auf der nur zwei Kilometer entfernten Karte. Wir waren alle noch ein bisschen erschöpft von der Reise und Bojan besonders von der vierstündigen Jagd nach seiner Tasche (Lasst euch diese Geschichte unbedingt von ihm erzählen, die 20 Minuten sind es Wert!). So lief es vom orientieren her eher schlecht als recht und ich dachte schon, oh Gott was soll das am Wochenende bei der Mittel- und Lang-Quali bloß werden?
Am Freitag war erstmal ausschlafen angesagt und dann Einkaufen! Was macht man, wenn man für 11 Leute und viele Tage einkauft? Man nimmt alles was lecker aussieht und davon nicht zu knapp. Das Problem an der Sache erkannten wir erst an der Kasse: zu wenig Geld in der Tasche und eine lang Schlange hinter uns. Zum Glück lag unser Quartier nur über die Straße und wir waren noch fit genug rüber zu rennen, Geld zu holen und dann die Massen an Essen in die Ferienwohnung zu tragen.
Am Nachmittag fuhren auf der „Panoramaroute“ nach Pergine Valsugana zur Sprintstaffel. Die Panoramaroute ist eine kleine, serpentinenreiche Straße mit einem phänomenalen Ausblick über die Seen, die Stadt und das Alpenpanorama. Nach jeder Kurve wurde der Ausblick schöner, aber die Straße auch schmaler und wir hofften, dass uns niemand entgegen kommt. Besonders in den beiden kurzen Tunneln war es verdammt eng, schon für ein Auto.
Ich durfte als Startläuferin im Massenstart auf die Strecke. Zu Posten zwei wählte ich leider die blöde Route, aber da sich alle für die Einzelwettkämpfe am Wochenende schonten und etwas verhaltener liefen, hat das nicht viel ausgemacht. So musste ich mal nicht nur hinter her rennen und konnte dank eines Fehlers der Führenden Läuferinnen auf der Schlussrunde nur 2sek hinter der Ersten auf Bojan wechseln. Auch Bojan lief super und kam als Zweiter von seiner Runde zurück. Imma erwischte einen schlechten Tag und verlor leider ein paar Minuten. Monika beendete das Rennen für uns dann auf dem sechsten Platz. Mit einem Eis beendeten wir diesen spannenden Wettkampf und dann ging es die Panoramaroute wieder hinauf.
In der Nacht träumte ich, wovon sonst, von OL. Ich lief durch den Wald und fand die Posten ziemlich schnell und sicher. Mein Traum für dieses Jahr ist es die Mitteldistanz bei der WM zu laufen. Denn vor sechs Jahren waren wir genau im Wettkampfgelände mit den Schweizern im Trainingslager. Damals, als kleine 15-jährige, habe ich alleine kaum die Posten gefunden und war heilfroh als mich zwei Schweizerinnen einholten und ich ihnen hinter her laufen konnte. Jetzt will ich beweisen, dass ich es besser kann und es diesem höchstanspruchvollen Gelände zeigen!

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Mittel

Die Mittel-Quali am nächsten Tag fand nur fünf Minuten mit dem Auto von unserem Quartier entfernt statt. Da es ein WRE war, war auch eine gute Konkurrenz unterwegs. An zwei Posten war ich leider ein wenig verpeilt, habe den Kompass missachtet und jeweils eine Minute verloren. Im Ziel wusste ich, dass es knapp werden würde gegen Monika und Christiane. Doch ich war als erste gestartet, also musste ich mich noch eine Weile gedulden. Die beiden kamen jedoch auch nicht perfekt durch, so wie wahrscheinlich alle Läufer an diesem Tag. So hatte ich, wenn auch sehr knapp, mein WM-Mittel-Ticket in der Tasche!

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Lang

Der Weg zur Lang-Quali am nächsten stellte sich als komplizierter heraus als wir dachten. Statt schön auf der kurzen Route quer durch den Wald zum WKZ zu fahren, mussten wir, aufgrund von einem halben Meter Schnee auf der Straße, außen rum fahren. Plötzlich wurden aus einer halben Stunde Fahrt anderthalb. Eine Startvorbereitung kann besser aussehen als aus dem Auto springen, Schuhe anziehen und zum Start spurten, muss aber nicht.
Anscheinend hatte ich bei der Fahrt schon alle O-Fehler für diesen Tag aufgebraucht und es lief fehlertechnisch besser als bei der Mittel und auch die Beine fühlten sich noch sehr schnell an. Auf dem Weg zum siebten Posten ging es 100 Hm am Stück einen steilen Hang hinauf. Ich fühlte mich noch gut und lief langsam aber sicher an einer großen Tram vorbei. Was für eine Motivation und dann weiter zur acht, den Berg wieder runter. Die Routenwahl zur zehn nicht ganz schlecht, aber auch nicht richtig gut gelöst. Irgendwann war der Sichtposten in Sicht und dann ging es mit der Konzentration bergab. Große Fehler habe ich zwar nicht gemacht, bin dafür aber einfach langsamer unterwegs gewesen. Als Schmankerl gab es auch noch vereinzelte Schneefelder im Wald. Im Ziel war ich froh, heil durch die Felsen und den Schnee gekommen zu sein und hoffte, dass dieser nicht ganz schlechte Lauf auch etwas Wert war.
Bald stand fest: für die Quali hatte es gereicht und sogar ein paar WRE-Punkte sind für mich heraus gesprungen. Denn jeder Punkt ist wichtig für einen guten Startplatz bei der WM.

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Happihappi!

Nach der Lang hatten wir uns alle etwas Besonderes verdient. Eine große Pizzaparty musste her. Zum Glück lag die Pizzeria nur über den Hof und bei Quattro Formaggio und Prosciutto konnten wir uns von den Strapazen des Tages erholen.

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chilla lite

Mit den Wettkämpfen war das TL, aber noch keineswegs zu Ende, nein es hatte gerade erst angefangen.
Die nächsten sieben Tage lernten wir das Gelände richtig kennen und fanden heraus worauf man in diesem Gelände besonders achten muss. Jeden Tag ging es besser beim orientieren, dafür wurden die Beine immer kraftloser. Irgendwann reichen auch dutzende Abbracci, gefühlte Tonnen an Essen und eine Nacht schlafen einfach nicht mehr, um die Muskeln wieder fit zu machen.

Marcesina - Korridor_H

Korridor-Training

Falls ihr mal nach Italien kommt und das Verlangen nach Keksen habt, dann nehmt Abracci! Sie besitzen zwar höchste Suchtgefahr, aber nach einer harten Trainingseinheit gibt es nichts Besseres als eine Banane und ein paar Abbracci zu mampfen.
Erwähnenswert ist auch der Besuch im Postkartenladen in Asiago. Eine riesige Auswahl, aber die meisten Karten stammten aus dem letzten Jahrhundert. Ich hoffe alle, die eine dieser besonderen Karten bekommen, freuen sich.
Ein Höhepunkt war der hohe Besuch am Dienstagnachmittag. Niemand geringeres als Olav Lundanes lümmelte im Sessel in unserer Küche. Ich war so verdattert, dass ich mich nicht getraut habe ihn anzusprechen, nicht mal auf schwedisch wollte mir ein Wort über die Lippen kommen. Wo ich doch sonst jede Chance nutze, um es zu üben. Auch, wenn ich mich jetzt offiziell mit den „Größten der Großen“ messen darf, hab ich immer noch einen riesigen Respekt vor diesen Menschen. Manchmal haben sie etwas von Halbgöttern, man kann sie sehen und anfassen, aber was und besonders wie sie es tun, begreift man nie.

WM-TL75

Barricata

Mit der Zeit besserte sich auch das Wetter und an den letzten zwei Tagen wünschten wir uns einen klaren Bergsee oder wenigstens ein kleines Bächlein für ein wenig Abkühlung. Besonders, um die tausenden von Fliegen, die man aus dem Wald in einer Wolke hinter sich her zog, los zu werden, wäre ein See echt super gewesen.
Die Pizzeria erfreute bis zum letzten Abend noch zwei Mal unseres Hungers und unserer Anwesenheit und dann ging es auch schon wieder Heim.
Das deutsche Team freut sich nun auf fantastisches Gelände und eine spannende WM vom 5. Juli bis zum 12. Juli in Venedig und Lavarone. (Das ist der Moment in dem man sich diese Daten mit einem dicken roten Edding im Kalender markiert!) Wir sind gut vorbereitet und werden alles uns mögliche tun, um den Divisionserhalt zu schaffen.

Photos by Immanuel Berger

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