Im Schatten der Burg

Im kleinen sächsischen Dorf Augustusburg fand letztes Wochenende die DBK Mannschaft statt.

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schnelles Rennen in der Burg

Das besondere bei der Mannschaft ist ja der Teamgedanke, doch beim Sprint am Freitagabend kämpfte sich noch jeder allein die Berge rauf und runter. Für mich war es der letzte Sprint vor der WM und ich versuchte die ganze Zeit konzentriert die Posten abzuspulen. Am Anfang war ich noch ein bisschen unsicher. Besonders die vielen Höhenmeter hinauf zur Burg machten mich nach der letzten anstrengenden Trainingswoche ganz schön kaputt. Ab dem fünften Posten lief es dann aber wie am Schnürchen.
Nach dem Sprint fiel Lisa und mir auf, dass es doch einige deutliche Vorteile hat in Berlin zu wohnen. Erstens: die Sprints dort sind alle so platt, dass man fast vergessen könnte, was Höhenmeter eigentlich sind und Zweitens: der Döner hat länger als bis 21:00 geöffnet.
Besonders Zweitens verkleinerte die Auswahl zur Abendgestaltung. Zum Glück besitzt Augustusburg auch eine Pizzeria. Natürlich waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee und die Kellnerin war mit so viel Ansturm am Freitagabend doch etwas überfordert. Die Stimmung ließen wir uns davon aber nicht vermiesen und als wir mit gut gefüllten Bäuchen zurück zur Turnhalle gingen, hielt die Dunkelheit auch eine kleine Überraschung für uns bereit. Kleine leicht grünlich leuchtende Punkte schwebten um uns herum mitten in der Luft. Nach vielen Jahren sah ich zum ersten mal wieder Glühwürmchen! Ein fantastischer Anblick, den man einfach genießen muss.
Am nächsten Tag war erst 13:00 Nullzeit, trotzdem waren wir schon neun Uhr wach, um auch ja nichts vom Staffelrennen bei der JEM zu verpassen. Leider lief es für unsere Jugendlichen nicht so gut wie bei der Langdistanz am Vortag. Jetzt, nachdem ich die Karten gesehen habe, kann ich jedoch nur noch sagen: Respekt! Das ist echt anspruchsvolles und besonders Kräfte zehrendes Gelände. Wer sich, besonders bei der Lang, da durch gekämpft hat und solche tollen Ergebnisse erreicht hat, hat echt was drauf. Bleibt dran! Es wäre eine Schande euch niemals bei einer JWOC oder WOC starten zu sehen!

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hochmotivierte jenaer Jungs

Dann ging es auch für uns in den Wald. Friederike, Lisa und ich versuchten auf dem Weg zum ersten Pflichtposten irgendwie eine sinnvolle Aufteilung zu finden, aber das gelang eher schlecht als recht. Unterwegs traf ich Friederike noch mal und konnte ihr zwei Posten abnehmen, aber Lisa hatte leider ein paar Höhenmeter zu viel abbekommen und wir mussten im Ziel ein paar Minuten auf sie warten. Vom Ziel aus musste man erstmal den Skihang wieder hoch zum WKZ stiefeln. Zum Glück gab es eine Verpflegungsstelle auf halber Höhe mit frischen Walderdbeeren. Auf dem Weg nach oben kamen bei uns dann langsam die Zweifel. Hatten wir alle Posten und auch nicht den ersten Pflichtposten vergessen zu lochen? Dann die Erleichterung beim Auslesen. Yes! Alle Posten da. Wir hatten uns eine Fahrt mit der Sommerrodelbahn redlich verdient. Nach der lustigen Abfahrt wieder den Berg hoch laufen und natürlich an einer weiteren fruchtigen Verpflegungsstelle Pause machen.
Beim Blick auf die Ergebnisliste konnten wir es fast nicht glauben. Trotz mieser Aufteilung, hatte wir mit einer guten Minute Vorsprung gewonnen. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass das beste Dresdner Team nicht angetreten ist und auch sonst bei der DBK Mannschaft deutlich weniger los ist als bei der DM Staffel.
Über die große Flasche Sekt als Siegerpreis haben wir uns trotzdem gefreut. Nach der Siegehrung stand noch ein sportliches Großereignis auf dem Tagesprogramm: das Achtelfinale zwischen Brasilien und Chile. Man muss schon sagen, die Fußballer verstehen etwas von „Show“ und Unterhaltung. Es ist einfach spannend und man kommt nicht umhin, Partei zu ergreifen. Wir waren natürlich für Chile, denn schon das sie 120 Minuten gegen echt mies spielende Brasilianer bestanden, wäre Grund genug gewesen sie im Spiel zu lassen. Manchmal ist das Glück jedoch nicht mit den Tüchtigen und so entschied das letzte 11-Meter-Tor das Spiel leider für Brasilien. Der Tag an dem OL auf der Leinwand für Laien so mitreißend wirkt, steht noch in den Sternen. Doch wenn es so weit ist, werde ich die stolzeste Uroma der Welt sein, wenn meine Urenkel diesen coolen (was man dann bestimmt schon lange nicht mehr sagt) Sport aus dem Fernsehen (oder Tablet, oder was es dann geben wird) auch ausprobieren wollen.
Dank der zwei Gläser Sekt schlief ich wie ein Murmeltier, auch als alle um mich herum schon zusammenpackten und sich auf dem Weg zum WKZ machten. Nein, ich hatte natürlich nicht verschlafen. Ein Vorteil als Läuferin in der Elite besteht darin meist eine späte Startzeit zu haben und so frühstückten Sören und ich erstmal gemütlich in der fast leeren Turnhalle.

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nur noch ein paar Tage bis zur WM auch für meinen Bruder

Außerdem hatte ich sowieso beschlossen nicht zu starten, da ich seit einer Woche an einer Erkältung litt und kein weiteres Risiko vor der WM eingehen wollte. So verbrachte ich den Vormittag mit viel Gequatsche, einigen Spaziergängen zwischen dem WKZ und dem Start und dem Ziel im Wald und ein paar Verpflegungspausen zwischen Blaubeerbüschen. Manchmal hat das Dorfleben doch so seine Vorteile. Hier in Berlin ist es wirklich etwas außergewöhnliches, wenn man mal ein paar Himbeeren im Grunewald findet. Auf dem Dorf pflückt man die Kirschen, die über den Zaun hängen, von Nachbars Baum.
Es war ein schönes und gut organisiertes Wochenende, doch in meinem Kopf schwirrt eigentlich nur noch eine Gedanke.
Noch sind es ein paar Tage bis zu WM und trotzdem bin ich schon jetzt ziemlich aufgeregt, obwohl wir gut vorbereitet sind. Wir haben schicke Party-Outfits, genug Fahnen und Rasseln und frisch gewaschene Deutschland-Trikots. Es kann also nichts schief gehen: Nur noch rennen und Posten finden, und das haben wir gefühlt schon unser Leben lang geübt.

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