Divisionserhalt!

und andere schöne Dinge des Lebens

Eine kontinuierliche Steigerung der Ergebnisse bei der WM in den letzten Jahren und besonders innerhalb der letzten WM-Woche hat nun dafür gesorgt, dass bei den Damen und bei den Herren auch im nächsten Jahr jeweils zwei deutsche Läufer/innen bei den Walddisziplinen an der Startlinie stehen.
Das ist das I-Tüpfelchen einer wunderbaren Woche im herrlichen Italien. Meine erste WM kann ich nur als vollen Erfolg bezeichnen. Als jüngste im Team habe ich sechs(!) Wettkämpfe bestritten und dabei immer ordentliche Leistungen gezeigt. Natürlich waren die Beine gegen Ende nicht mehr fit, doch für mich war der Divisionserhalt wichtiger. Denn sonst haben die deutschen OLerinnen nur noch eine geringe Chance den Aufwärtstrend ihrer Ergebnisse beizubehalten. Es ist also alles gut und das deutsche Team kann ungestört in sonnigen und eisgekühlten Erinnerungen schwelgen.

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flitzeflink in Venedig

Besonders die Sprints in Venedig waren ein unvergessliches Erlebnis. Es war fantastisch mir dem Boot zu einem WM-Lauf gebracht zu werden und dann auch noch die phänomenale Stimmung während des Finales erleben zu dürfen. An jeder Ecke wurde man angefeuert und ich konnte mir ein gelegentliches Lächeln nicht verkneifen. Natürlich hat die Konzentration darunter nicht gelitten, es war eher Ansporn und die süße Vorahnung darauf, dass es ein guter Lauf war, den ich da gerade lief. Die zwei Kugeln Eis meiner ersten gewonnen Eiswette mit Jan dieses Jahr genoss ich mindestens so sehr wie den Sprint selbst, vielleicht sogar ein bisschen mehr.
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der Blick auf die Rialto-Brücke aus unserem Fenster

Sonst ist Venedig wirklich eine Stadt, die man einmal gesehen haben muss. Schon nur um am Canal Grande zu sitzen und posierende Touristen auf der Rialto-Brücke zu beobachten. Oder um mitten in der Nacht die freudig quiekenden Schreie von ein paar Leuten, die den Sprung in den Kanal wagen, zu hören. Eigentlich wollten wir von diesem verzauberten Ort gar nicht weg, doch ein paar venezianische Masken mussten uns als Erinnerung reichen, denn die WM ging in den Bergen bei Trento weiter.
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das Damenteam

Dort war es auch erstmal vorbei mit Sommer, Sonne, Sonnenschein. Nach einem Ruhetag, an dem ich auch dank unseres klasse Physios Simon meine Beine wieder lauffähig bekam und der Eröffnungsfeier fand in Trento die Sprintstaffel statt. Diese Disziplin gab es dieses Jahr das erste Mal und wir waren gespannt, was uns erwartet. Vordergründig oder eher Untergründig eine Rutschpartie. Dank eines Regenschauers waren die großen Gehwegplatten so rutschig wie ein See im eisigen schwedischen Winter. Am schlimmsten traf es wohl die Schwedin Helena Jansson, wie man hier lesen kann.
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Start der Sprintstaffel

Sonst kann ich nur sagen, dass so eine Sprintstaffel schon eine verdammt spannende Sache ist. Alles geht so fix und es passiert schnell, da ist der eigene Läufer schon durch und man hat überhaupt nichts mitbekommen. Die langweiligste Strecke ist meiner Meinung nach die Startstrecke. Da alle Damen die ganze Zeit dicht zusammen sind, muss man sich eigentlich nur an die Hacken seiner Vorderfrau klemmen und kann die Karte wegstecken. Außer am Gabelposten mal schnell schauen welcher der eigene ist. Man könnte sozusagen jede langweilige Leichtathletin an den Start stellen und sie würde dort genauso gut laufen wie eine OLerin. Irgendwie ist dass schon deprimierend. Nur damit der OL „spannender“ wird, streicht die IOF ganz langsam das O aus dem OL.
Der richtig spannende Teil im Wald begann also erst nach der Abreise der Sprinter und dem Einkauf der Partyoutfits an einem weiteren Ruhetag. Zwar reisten die Sprinter ab, doch wir bekamen unverhofft Unterstützung von Christiane, die ihr Zelt auf dem überfluteten Zeltplatz gegen einen Couchplatz bei uns tauschte.
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Arena Langdistanz

Los ging es mit der Langdistanz direkt in den Bergen über Lavarone. Ich startete mit einem mulmigen Gefühl. Dank Simon taten die Beine zwar nicht weh, aber frisch waren sie auch nicht mehr. Jeder Berg war ein Kampf zwischen meinen Beinen und meinem Willen. Weiter gelaufen sind sie immer, nur das Tempo war irgendwann echt nicht mehr feierlich. Nach 96min war ich völlig am Ende und glücklicherweise im Ziel. Die Sonne kam nach dem Regenguss während des Laufes auch wieder raus und so gab es eigentlich keinen Grund das Plätzchen an der Sonne zu verlassen. Außer natürlich der eigene Bruder kommt in seiner Lieblingsdisziplin von der Strecke. Entgegen aller Erwartungen lief er ein super starkes Rennen und sicherte sich den dreißigsten Platz. Er war überglücklich und ich freute mich mit ihm während wir auf dem Großbildschirm das Rennen der „ganz Großen“ verfolgten.
Ich war zwar total fertig, aber trotzdem sind das die Momente in denen man beginnt zu träumen wie es wohl wäre den „Großen“ nicht nur ganz gut hinter her zu rennen, sondern bei ihnen mitmischen zu können. Doch dahinter steckt viel Kampf, Aufopferung und Willenskraft und besonders braucht man Zeit. Weltmeister wird man nicht von heute auf morgen. So musste ich auch alle meine Kommilitonen nach der WM vertrösten und bat sie mich doch in fünf Jahren noch einmal zu fragen.
In den nächsten Stunden und Tagen wurden Abbracci und das Bett meine besten Freunde. Einfach nur auf einer weichen Matratze liegen, Kekse mampfen und möglichst wenig bewegen. Zum Glück hatten wir Christiane als Köchin und Maskottchen gewonnen und mussten uns um die Verpflegung weniger Gedanken machen. Nochmal ein großes Dankeschön dafür! Es ist unglaublich wie einen 2 Stunden und 15 Minuten Wettkampftempo in fünf Tagen so kaputt machen können. Doch es geht noch schlimmer: am nächsten Ruhetag wachte ich morgens auf und wollte aus dem Fenster gucken. Doch das ging nicht, denn ich hatte mir im Schlaf eine grandiose Blockierung am obersten Halswirbel geholt. Jeder Versuch den Hals zu bewegen, außer nach links drehen, war mit höllischen Schmerzen verbunden. Plötzlich rückte der Mitteldistanzstart in weite Ferne. Auch Simon, der uns sonst immer wieder hergestellt hatte, war machtlos. War natürlich klar, dass mir so was bei der WM passieren muss. Zu Weihnachten wäre ok, aber doch nicht während der WM! Nach dreimaliger Behandlung bei Simon, einem Besuch im Krankenhaus, einer Behandlung beim polnischen Physio (danke Monika für die Vermittlung!) und ein paar Ibuprofen waren meine Bewegungsmöglichkeiten nicht mehr ganz so eingeschränkt, doch sicher genug für den Wald fühlte ich mich immer noch nicht. Am nächsten Morgen hatte ich immer noch Schmerzen, aber ein OLer kennt keinen Schmerz, besonders nicht bei einer WM und so stellte ich mich, froh darüber überhaupt starten zu können, an die Startlinie. O-technisch war der Lauf gut und mein Hals hat auch alles ohne groß zu meckern mitgemacht, doch zufrieden stellend war die ganze Sache nicht. Mein Körper schrie nach Pause, doch ich sagte mir immer wieder, dass es nur noch ein Lauf war, nur noch die Staffel.
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Sören kämpft

Dafür konnte ich umso mehr für meinen Bruder jubeln. Mit einer Verfolgungsjagd hinter Lauri Sild (EST) holte er sich den 24. Platz, eine der besten Platzierungen eines deutschen bei der WM seit vielen, vielen Jahren.
Damit waren die Jungs so gut wie sicher was den Divisionserhalt anging. Nur wir Damen mussten noch zittern und wussten, dass wir uns bei der Staffel nur mit drei o-technisch sauberen Läufen in dem höchst anspruchsvollen und fantastischen Gelände retten konnten.
Den anspruchvollsten Job des Tages hatte wohl unser Maskottchen Christiane, die nun zum Coach aufgestiegen war. Ihre Aufgabe bestand darin während der gesamten Staffel, also läppische fünf Stunden, in der Coachingzone zu stehen, Getränke und Bananen zu reichen und fleißig Staffeln mitzuzählen.
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Staffelstart

Ich durfte die Startstrecke laufen. Doch ich wusste, dass ich nur gut durchkommen würde, wenn ich mein eigenes Ding mache, denn das Lauftempo der anderen war für mich nicht mehr erreichbar, nicht nach fünf unglaublich harten Wettkämpfen. Einige von den anderen hatte ja erst ein oder zwei Läufe in den Beinen. Trotzdem mobilisierte ich meine allerletzten Kräfte und legte einen o-technsich sicheren und einwandfreien Lauf hin. Die Sicherheitsvariante wurde belohnt und ich lief als elfte zum Wechsel und übergab auf Monika. Auch sie kam gut über die Strecke, aber leider immer noch nicht sicher für den Divisionserhalt.
Aber wir hatten noch einen Trumpf. Auf der Schlussstrecke lief Christiane, die gut ausgeruht war und technisch schon immer richtig was drauf hat. Die letzten Minuten, die wir am Endposten auf sie warteten, zogen sich hin wie Stunden. Und dann kam sie und alle Anspannung entlud sich auf einmal während wir sie mit lautem Gebrüll ins Ziel hinunter schrien. Sie hatte die Spanierin abgehangen und weit hinter sich gelassen und somit den Divisionserhalt gesichert.
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Party 🙂

Ein Grund zum Feiern! Mit einer tollen Party wurde die WM-Woche beendet und dann ging es auch schon wieder Heim. Sonst mag ich lange Autofahrten ja nicht so sehr, aber einfach nur einen Tag im gemütlichen Sitz lümmeln und sich selbst keinen Millimeter bewegen während einen Motor und Räder durch Deutschland rollen, war an diesem Tag das beste was ich mir vorstellen konnte. Den größten Teil hab ich dank Lückes entspannter Fahrweise sowieso verschlafen.
Dank der zwei Prüfungswochen hatte ich auch gar keine Zeit mir über diese wichtigste Woche des Jahres Gedanken zu machen. Doch die Prüfungen sind bald geschafft und dann steht einem fantastischen Sommer mit OO-Cup in Slowenien, Midnattsloppet in Stockholm und Euromeeting in Göteborg nichts mehr im Wege!

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