Pure Lust am Leben in Menina

Heute fährt der Bus bis nach Menina, Menina, Menina.
Wir packen den Kocher ein und haben Ferien
Komm wir fahren nach Slowenien!

Wer dachte als Schüler nicht daran, nur einmal auf der anderen Seite der Schulbank zu stehen? Dort wo der Lehrer die Aufgaben und Noten verteilte und fiese Fragen stellte. Nun ja in der Schule werden das die meisten wohl nicht schaffen (Mein Glückwunsch an alle Lehramtsstudenten!), aber als aktiver Sportler kann man sehr einfach mal die Rolle wechseln und findet sich plötzlich als Betreuer einer 20-köpfigen Truppe von Jugendlichen auf einem Zeltplatz in der Slowenien wieder.
Das diesjährige Sommer-TL des Jugendbundeskaders fand beim OO-Cup statt und neben den beiden Jugendtrainern Thoto und Nina durften vier aktive aus dem Erwachsenenkader mal die andere Seite des Sports erleben.
Ein bisschen hab ich das Gefühl, dass wir tatsächlich mehr gelernt haben als die Kids. Natürlich nicht was die O-Technik angeht, aber was Zusammenarbeit, Planung und Menschenkenntnis betrifft.

Während der Wettkämpfe war auch dank Thotos „Führung“ alles noch sehr geregelt und auch wir konnten uns zu 100% auf die Läufe konzentrieren. Doch nach fünf Tagen waren die Wettkämpfe, die viele mit Bravur meisterten, schon zu Ende und Thoto musste nach Hause fahren und arbeiten. Auf einmal war das wahrscheinlich jüngste Betreuerteam der deutschen OL-Geschichte auf sich allein gestellt. Dementsprechend verlief auch der erste Abend. Für Situationen, die mir nicht gefallen, habe ich einen ganz einfachen drei-Punkte-Plan: erstens: ich versuche die Situation zu ändern, wenn das nicht geht dann zweitens: ich ändere meine Einstellung und wenn auch das nichts bringt, dann drittens: einfach gehen. Ist auf jeden Fall besser als jemanden anzuschreien und Dinge zu sagen, die man später bereut, besonders vor zwanzig Jugendlichen, die irgendwie wenigstens ein bisschen Respekt vor einem haben sollen.
Wobei ich sagen muss, dass alle echt diszipliniert waren und es nie Stress mit irgendwem gab. OLer-Kinder sind doch irgendwie „pflegeleicht“. Zum Glück, denn so konnten wir trotz eines kaputten Busses alle Trainings wie geplant durchführen. Glück hatten wir auch mit dem Wetter. Richtig geregnet hat es nur nachts und Moritz und Erik haben sich bestimmt auch in nur einem trockenen Schlafsack wohl gefühlt. 🙂
So verging die Zeit echt schnell mit zum Training fahren, Posten hängen, Schatten laufen, Posten rein holen, zurück fahren, einkaufen, Salat schnippeln, kochen, abwaschen, Auswertung usw. Der Spaß kam natürlich auch nicht zu kurz, es war ja Sommer-TL. Das betreuerinterne Kubbspiel entschieden nach einem harten Kampf Nina und Bjarne für sich. Beim Baden im eiskalten See waren die Jungs eindeutig am mutigsten und machten bei den Holländern auf der schwimmenden Insel ordentlich Krawall. Beim Micro-OL ging es rasant zu und wir „überlegten uns selbst ein Lösungswort“. Dafür war es am anschließenden Lagerfeuer bei Stockbrot und Würstchen umso entspannter. Und wem das Feuer zu heiß wurde, der sprang einfach in den eisigen Bergfluss.

Es war eine wunderschöne Zeit und ich wäre gerne noch länger geblieben, so wie die Leute, die warten mussten bis der Bus repariert war und erst drei Tage später nach Hause fuhren. Doch der andere Bus musste zurück nach Dresden, denn für die Sachsen stand als nächstes ihr Sachsen-TL auf dem Plan.
Das Wichtigste, was ich gelernt habe ist, dass man als Betreuer und besonders als Trainer immer in Kontakt mit den Athleten bleiben muss. Zu einem Sportler gehört nicht nur seine körperliche Leistung, sondern auch das Umfeld. Zu Hause, in der Schule und im Kader muss alles stimmen, um körperlich und geistig das Beste aus sich heraus zu holen. Dafür muss sich der Trainer auch interessieren und gerade bei jungen Sportlern zusätzlich die Eltern mit einbinden. Für viele, die aus OLer-Familien kommen, auch für mich, ist das schwer zu verstehen, weil dieses Leben als OLer völlig selbstverständlich ist und wir genau wissen, was zu tun ist. Aber wer dieses Privileg nicht hat, den muss man an die Hand nehmen, sonst gehen uns diese Talente wieder flöten, wenn sie sich nicht verstanden und gebraucht fühlen.
Zurzeit bin ich in Berlin, erhole mich und bereite mich auf die Wettkämpfe in Schweden vor. Am Samstag geht’s direkt vom Flughafen zum Långhundradubbeln, einer Mitteldistanz nördlich von Stockholm. Dann weiter zum Midnattsloppet (Mitternachtslauf), einem 10km-Straßenrennen mit über 40.000 Startern auf Södermalm mitten in Stockholm und am Sonntag laufe ich noch beim Oppsättralången schlappe 10km OL durch den schönsten schwedischen Wald. Danach setzte ich mich in den Zug und dann geht’s ab zu meiner Gastfamilie nach Göteborg, wo ich mich wahrscheinlich erstmal erholen muss. Dort wird auch noch ein bisschen trainiert und dann kommt das Euromeeting mit Mittel, Sprint und Lang.

Und weil’s so schön war eine kleine Umdichtung zu den Songs des Sommer-TLs:
(Achtung! mein dichterisches Talent ist nicht besonders ausgereift.)

Heute fährt der Bus bis nach Menina, Menina, Menina.
Wir packen den Kocher ein und machen Ferien
Komm wir fahren bis in die Slowenien

Liebe Fahrgäste, hier eine aktuelle Durchsage:
Der blaue Ford-Bus fährt heute nicht in Dresden
sondern fährt durch bis nach Kamp Menina

Neulich saß ich im Zug nach Dresden
Und dachte mir: hier könnt ich ewig bleiben
Der Bundeskader fährt mal nach Italien, mal nach Bulgarien
während ich noch rum stand rief Martin: alle in den Bus rein!
Nächster Halt: OO-Cup

Den A-Kader gibt’s nich’, der B-Kader fährt nach Venedig,
Die Jugendlichen nur nach Regenburg, was wollen sie denn dort,
denn

Heute fährt der Bus bis nach Menina, Menina, Menina.
Wir packen den Kocher ein und machen Ferien
Komm wir fahren bis in die Slowenien

Und eins kann mir keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben

Versperrt die Kuh
Den Weg zum Posten
Dann ist OO-Cup, wo
alle suchen wie Vollpfosten
In der Matschpfütze
Da stehen unsere Zelte
Erfrischung gibt’s dank
des Badesees Kälte
Versteckt die Posten
Hinter einem dicken Stein
schickt mich nach Menina
auch ohne Rückfahrschein

Aber eins kann mir keiner, eins kann mir keiner
eins kann mir keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben

Krabbeln in meine Tasche
Die Ameisen rein
geht mir das an die Nieren
Dort sollen sie nicht sein
Es ist warm und sonnig
Wir brauchen keine Mütze
Das im Kochtopf
Sah manchmal aus wie Grütze

Aber eins kann mir keiner, eins kann mir keiner
eins kann mir keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben

Kurz darauf merkte ich, ich bin schon wieder zurück.
Ich stieg aus am Sophie-Charlotteplatz und ging noch ein Stück.
Durch die Suarezstraße, vorbei am Laden für Wein.
Da merkt ich Kamp Meninia ist nicht hier, ich muss wo anders sein.
Bing! Nächste Haltestelle Ljubljana.

Nach Menina fahr’n das ist fein
Komm wir wollen in Slowenien rein!

Heute fährt die 18 bis nach Istanbul
Die Pure Lust am Leben

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