Tio dagar i sverige – del tre

Tre tävlingar – drei Wettkämpfe hinter einander sind nervenaufreibend, gerade wenn man Angst vor Fehlern hat. Das Euromeeting 2014 in Göteborg.

Man will es immer allen Recht machen, besonders einem selbst. Meist gelingt mir das mehr oder weniger gut. Doch beim Euromeeting stimmte irgendetwas mit meiner Einstellung nicht. Nach dem wir am Vormittag das Sprintgelände besichtigt hatten, ging es am Abend los mit der Mitteldistanz. Auf uns wartete feinster schwedischer Wald mit etwas höheren Hügeln als gewöhnlich. Mitteldistanz ist meine Lieblingsdisziplin: nicht so lang, technisch hoch anspruchsvoll und meist tolles Gelände. Was sollte also schief gehen im Lieblingsgelände in der Lieblingsdisziplin? Trotzdem ist man aufgeregt und nervös vor einem internationalen Start. Man geht noch mal die wichtigsten Punkte durch, um sich zu beruhigen, denkt an was Schönes und dann geht’s los. Bei den Läufen am Wochenende davor hatte ich untypisch für mich zu viele Fehler gemacht und war deshalb sehr unzufrieden. Nun wollte ich es besser machen, besonders mit dem Wissen, dass man in skandinavischem Terrain mit einem nahezu fehlerfreien Lauf gut abschneiden kann. Also hieß es keine Fehler zu machen. Und damit war sie da: die Angst vor den Fehlern. Mit Furcht in den Wald gehen funktioniert nicht, ja man darf aufgeregt sein, aber nicht ängstlich. Respekt vor der Strecke darf man auch haben, dann identifiziert man die schwierigen Stellen und lässt sich eine Lösungsstrategie einfallen. Doch wenn man Angst hat, schaltet der Kopf sich aus, egal wie schwer oder einfach die Aufgabe ist. In einem gewissen Grad bin ich so gut geübt, dass OL „reflexhaft“ funktioniert, doch um danach wirklich zufrieden mit meinem Lauf zu sein, muss ich voll da sein. Der Bahnleger ist schlau und will die Läufer in die Falle locken, doch ich bin schlauer. Jedenfalls war ich das bisher. Seit letztem Herbst bis zur WM dieses Jahr gingen die Läufe meist wie Butter. Klar habe ich dafür gearbeitet und im Training ging auch immer mal was schief, aber im Wettkampf konnte ich meinen Erwartungen immer gerecht werden oder sie sogar übertreffen. Direkt im Ziel nach der Mitteldistanz war ich erstmal zufrieden. Mir waren keine größeren Fehler aufgefallen. Als ich jedoch an die Ergebnisliste schaute, fiel ich aus allen Wolken. Viertletzte?! Der Aufprall war hart und schmerzhaft. Dadurch verunsichert ging ich am nächsten morgen an den Start des Sprints. Eigentlich war ich mir auch hier sicher. Ein typisches schwedisches Wohngebiet mit verteilten Hochhäusern und richtigen Waldabschnitten dazwischen wartete auf uns. So eines hatte ich sogar schon in Eskilstuna aufgenommen. Doch so wirklich bei der Sache war ich wieder nicht. Ich hab mich gefühlt wie eine sechszehnjährige, die sich das erste Mal auf eine Elitestrecke wagt und nicht nur ein bisschen überfordert ist. Im Ziel angekommen war ich so enttäuscht wie schon lange nicht mehr. Beim Auslaufen habe ich mich erstmal allein in eine stille Ecke gesetzt und darüber nachgedacht was hier falsch läuft. So richtig dahinter gekommen bin ich nicht. Im Quartier angekommen hatte ich endlich Zeit mir mal den GPS-Track der Mitteldistanz anzuschauen. Dort hat man deutlich gesehen, dass da doch mehr Fehler waren als ich dachte. Besonders so ungeplante, sinnlose Schlenker, weil ich einfach irgendwie ohne Plan gelaufen bin. Nur was sollte ich tun, damit das am nächsten Tag bei der Lang nicht wieder passiert? Meine letzte Hoffnung war ein Telefonat mit meiner Trainerin. Meike war selbst lange Nationalläuferin und weiß wie hilflos man sich fühlt, wenn man so weit hinter den eigenen realistischen Erwartungen zurück bleibt. Sie riet mir mich wieder auf die Grundlagen zu konzentrieren. Bis jetzt haben die wohl von selbst funktioniert, aber wenn das nicht so ist, dann muss man eben wieder selber aktiv werden. Also jedes Mal einen bombensicheren Plan machen und die Kompassrichtung noch dreimal extra kontrollieren. Bei der Lang ging das bis zum fünften Posten ganz gut. Plötzlich sah ich Helen Palmer (GBR), die vier Minuten vor mir gestartet war, vor mir lang laufen. Bei der Mitteldistanz hatte sie sechs Minuten auf mich aufgeholt, plötzlich hole ich sie ein und hatte sogar das Gefühl sie abhängen zu können! Den langen Schlag, der dann folgte, hatte ich durch diese Ablenkung natürlich nicht geplant. Dementsprechend „lustig“ sieht mein GPS-Track beim weglaufen vom fünften Posten aus: eine wunderschöne sinnlose S-Kurve. Gut, ok ein Fehler, kann passieren. Plan? Plan! Durchziehen! Am achten Posten ging der Plan schief, ich konnte mich aber schnell wieder Einlesen. Zum Glück, denn beim Weglaufen vom Posten sah ich Lisa Risby (SWE). Die Juniorenweltmeisterin von 2013 war zwei Minuten vor mir gestartet. Zu meinem Glück, wollte sie sich nicht abhängen lassen und so begann eine wilde Jagd zum nächsten Posten. Trotz teilweise unterschiedlicher Routenwahlen sahen wir uns immer wieder. Mal führte sie, mal ich. Natürlich machten wir auch kleine Fehler, aber das Tempo war dafür auch entsprechend hoch. Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Gelände überhaupt so laufen könnte. Lisa hatte zu meinem Glück die falschen Schuhe gewählt und zusätzlich noch Knieschmerzen, sonst wäre sie mir bestimmt wieder weg gelaufen. So kam ich in rasantem Tempo über die zweite Hälfte der Strecke. Das Glück blieb mir hold und ich fand mich als 15. auf der Ergebnisliste wieder, sogar noch vor der amtierenden Weltmeisterin! Der „Bann“ schien gebrochen, jedenfalls wenn ich im Wald unerwartet Hilfe von schnellen Schwedinnen bekomme. Jetzt muss das nur wieder alleine klappen. Die nächste Chance das zu überprüfen gab es zwei Wochen später bei der DM Mittel fast direkt bei mir vor der Haustür.

Photos by Felix

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