Inoffizielle Deutsche Meisterschaften

Die Organisatoren der DM Lang vorletztes Wochenende, haben sich wirklich viel Mühe gegeben, doch leider ist ein gravierender Fehler passiert, der die tolle Stimmung zeitweise zum Kippen gebracht hat.

Aber von vorn: Bereits am Freitag konnte man sich beim Sprint direkt vor dem Massenquartier in die richtige Stimmung und das richtige Tempo für den wichtigsten deutschen Wettkampf des Jahres bringen. Tolles Gelände, tolle Strecke, wirklich ein gelungener Auftakt.
Zur gleichen Zeit wurde in Belgien beim JEC und in der Schweiz beim Weltcup-Finale ebenfalls gesprintet. In Belgien schlug sich das deutsche Team leider größtenteils nicht so gut. Das sind dann die Momente in denen man wehmütig zurück blickt und denkt: „Oh man, letztes Jahr war ich da so gut. Die Leute, die jetzt dort sind, können das doch auch! Warum stimmen dann die Ergebnisse nicht?“ Die Antwort haben wir leider noch nicht, aber wir und besonders Thomas Meier, der neue Juniorentrainer, arbeiten daran.
Beim Weltcup gab es leider keine deutschen Läufer, da die deutsche Elite natürlich bei der DM am Start stand.
Am Abend haben wir uns noch mit einer großen Pizza für die lange Strecke am nächsten Tag gestärkt und dann ging es ab ins Bett. Jedenfalls für die meisten, ich durfte noch eine Weile Chauffeur für zwei Spätangereiste spielen. Dann aber schnell in den Schlafsack kuscheln und schlafen. Nun ja, was man so Schlafen nennt, wenn man aufgeregt ist und die Endorphine schon wie wild durch den Körper strömen. Warum gibt es eigentlich am Freitagabend noch keine „Gute-Nacht-Bier“?

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Friedrich am Endposten

Am nächsten Morgen war es leider auch nichts mit ausschlafen. Mein Bruder und ich hatten nämlich den wohl coolsten Job des Tages. Wir durften noch vor dem Start Interviews für den MDR für „Sport im Osten“ geben. Als Schmankerl und weil wir nicht schon aufgeregt genug waren, wurden wir dann auch vom OL-Schuhe anziehen übers Löschen und Checken bis zum Start von der Kamera verfolgt. Was bedeutet, dass man seine Schuhe noch mal ausziehen muss, weil die Einstellung nicht gut war und das ganze noch mal gefilmt wird.
Ich war nervöser als bei der WM und musste mich am Start wirklich konzentrieren ein wenig runter zu kommen. Nun ja, mit dem Startpiep war ich die Kamera erst mal los.
Im Interview danach sage ich, dass ich wieder orientieren gelernt habe. Das stimmt auch, wenn man bedenkt, was für einen Mist ich bei der DM Mittel gebaut habe. Da war einfach kein Flow, kein Rhythmus, kein Vorplanen. Jetzt bin ich da wieder drin, was mich auch sehr für die nächsten Wettkämpfe in Schweden und der Schweiz beruhigt.
Doch echt dumme Fehler sind leider immer noch passiert. Zwei mal lief ich tatsächlich auf einem Weg und war mir nicht mehr sicher, ob ich an der letzten Kreuzung richtig abgebogen bin. Beide Male lief ich zurück, merkte, dass alles richtig ist und lief den gleichen Weg weiter. Bei einem Fehler kann man mir dank des Kamerateams im Wald jetzt sogar zuschauen. „Berühmt“ sein ist schon fies. Plötzlich muss man immer gut aussehen, immer schlau reden und darf dabei nicht unnatürlich wirken. Und dann soll man noch schnell rennen und Posten finden? Da bewundere ich Daniel Hubmann und Tove Alexandersson, die Gewinner des Gesamt-Weltcups, wirklich. Denen geht es bestimmt andauernd so und die finden die Posten trotzdem wie im Schlaf.
Der schlimmste Fehler des Tages passierte jedoch keinem Läufer, sondern dem Veranstalter. Es gibt Dinge während einer DM, die können passieren. Man regt sich darüber auf (oder lässt es), aber sie haben keinen großen Einfluss auf das Rennen. So etwas ist z.B. eine Startverschiebung, Sprudelwasser am Getränkeposten, kein Sprecher usw. An all diese Dinge hatte der SV Planeta Radebeul gedacht.
Doch als ich am zwölften Posten stand und die Codenummer nicht stimmte, zweifelte ich erst einmal an mir. Nach zwei Minuten, in denen ich auch noch an einem anderen eindeutigen Posten neben einem Hochstand stand, war ich mir sicher. Dieser Posten hier muss meiner sein. Zum Glück kam ich auf die Idee, die Karte aufzufalten und auf die Postenbeschreibung, die dort abgedruckt war, zu schauen. Die Codenummer dort stimmte. Verwirrt, aber beruhigt lochte ich und rannte weiter. Das im weiteren Verlauf der Strecke auch noch ein Posten zu viel auf der Postenbeschreibung stand, war dann ein Problem was sich schnell beheben ließ. Ich schaute einfach nur noch auf die Postenbeschreibung, die auf der Karte war. Das war immerhin gutes Training für den nächsten Tag, da es bei Staffeln bekannterweise keine extra Postenbeschreibung gibt.
Unterwegs machte ich mir tatsächlich Gedanken darüber, dass das hoffentlich in keiner Kinderklasse passiert ist. Wenn wir als Eliteläuferinnen schon etwas länger als eine Weile brauchen, um zu kapieren, was hier passiert war, wie verzweifelt müssen dann erst kleine Kinder sein? Ich zwang mich den Gedanken zu Seite zu schieben und erstmal meinen Lauf ordentlich zu Ende zu bringen.
Erst im Laufe der nächsten Stunden wurde ich mir des Ausmaßes dieser kleinen großen Katastrophe bewusst. Es gab natürlich Läuferinnen, die an diesem zwölften Posten noch deutlich mehr Zeit verloren hatten und sich nun ungerecht behandelt fühlten. Damit haben sie auch vollkommen Recht und ich finde es völlig richtig, dass Anne Protest eingelegt hat. Es tut mir sehr Leid, dass ich sie in dem Moment nicht unterstützt habe, doch in dem ganzen Protest-Chaos (in der Herrenelite gab es ebenfalls Einspruch), ging das einfach unter. Statt auf der sich leerenden Zielwiese auf die Flower Ceremony zu warten, wollten wir uns eigentlich duschen, erholen und essen. Am nächsten Tag sollten wir ja noch einmal zeigen, was wir können.
Zum Schluss wurde keinem Einspruch stattgegeben und am Abend wurden ganz normal die Deutschen Meister gekürt. Auch jetzt über eine Wochen ach dem Drama, bin ich immer noch der Meinung, dass dieser Wettkampf in der Damenelite keiner Deutschen Meisterschaft würdig war. Abgesehen davon, dass die Bahnlegung eher als verlängerte Mitteldistanz zu bezeichnen war, führte der grobe Fehler des Veranstalters nun einmal dazu, dass dieses Rennen nicht mehr fair war. Es gehört nicht zu den Anforderungen eines OLers, heraus zu finden wo die richtige Codezahl steht.
Mit einem Bingoposten können wir leben, da kann man in Deutschland schon fast von „Gewohnheitsrecht“ sprechen. Das ist nicht gut, aber wenn wir deswegen Läufe annullieren würden, gäbe es bald keine Deutschen Meister mehr. Das müssen wir kritisieren und daran arbeiten.

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Siegerehrung DM Lang

Meiner Meinung nach war die diesjährige DM Lang in der Damenelite keiner offizielle Meisterschaft würdig und der Veranstalter hätte keine Medaillen und Urkunden verteilen dürfen. Stattdessen hätten sie sich noch während der Siegerehrung offiziell bei allen Betroffen auch in den anderen Altersklassen, in denen ein Posten zu viel auf der Postenbeschreibung stand, entschuldigen müssen.
Nun ja, eine fröhliche Party mit toller Livemusik lässt man sich natürlich trotzdem nicht entgehen und den Spaß verderben erst recht nicht. Auch dank des „Elite-Bieres“ schlief es sich in dieser Nacht dann doch ganz wunderbar.


Der nächste Tag sollte noch spannender werden. Wie jedes Jahr wurde beim Deutschland-Cup der beste Verein Deutschlands gesucht. Der USV Jena hatte gute Chancen. Mit Christian, Friedrich, Veit, Sören und mir hatten wir das beste Team seit Jahren und einen genialen Plan B. Wir Thüringer haben ja bekanntlich besonders auf der Damenseite richtig starke Läuferinnen. Ich erinnere immer wieder gerne an den Sieg der H18-Staffel beim JJLVK 2011 mit Resi und Friedrich alias Frieda. Deshalb durfte ich statt der kurzen dritten, die etwas längere zweite Strecke laufen und Friedrich auf der Dritten an allen Mädels vorbei heizen. So waren alle glücklich. Ich hatte noch ein paar Kilometer mehr im Wald, da die Langdistanz bei den Damen nicht wirklich lang war und Friedrich hatte seinen Spaß auf der kurzen Rennerstrecke. Der Plan ging auch ganz gut auf. Der Post SV Dresden war wie immer uneinholbar weit vorne, doch der kleine TUS Lübbecke hatte sich ebenfalls vor uns eingereiht. Das hat er besonders dem schnellen Colin auf der zweiten Strecke zu verdanken. Obwohl ich alles gab und einen echt guten Lauf hatte, lief er fünf Minuten schneller! Eine echt starke Leistung. So hatte mein Bruder auf der fünften und letzten Strecke leider keine Chance, obwohl er es natürlich versuchte, den amtierenden Deutschen Meister Sören Riechers noch einzuholen.
So sind wir, wie schon die letzten zwei Jahre, wieder dritte geworden. Ein tolles Ergebnis, doch insgeheim hatten wir uns mehr erhofft. Was nicht ist kann ja noch werden und dann wird der Verein mit zwei Deutschen Meistern (Friedrich, H20 und Veit H16) und zwei Vizemeistern (Sören und ich) im Team ganz oben auf dem Treppchen stehen.

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