Götterkomplex

Eine Woche OL mit dem besten Privatcoach und den besten OLern der Welt, außer den Schweden natürlich!

Zurzeit kommen die besten OLer wohl aus der Schweiz. Viele von ihnen trainieren im nationalen Leistungszentrum (NLZ) Bern, wo ich meine erste Trainingswoche nach den gut überstandenen Klausuren absolviert habe.  Am Freitagmorgen noch in Berlin,  am Nachmittag das erste OL-Training in Gümblingen bei Bern, organisiert von niemand geringeren als Simone Niggli-Luder! Ein bisschen aufgeregt war ich schon, denn man hat sie schon tausend Mal gesehen und nicht mal in den kühnsten Träumen erhofft man sich jemals so überragend gut zu sein wie sie. Nun quatscht man mit ihr über Prüfungen und klärt wo es zum Start geht. Auch die beste aller Göttinnen ist irgendwie einfach eine OLerin, die liebt, was sie tut. Trotz der aufregenden Umstände lief das Training ganz gut, außer man stand im riesigen Brombeergestrüpp. Man könnte glauben, dass so viele Schweizer nur so gute OLer werden wollen, damit sie im Sommer nicht durch meterhohe Dornensträucher steigen müssen, sondern durch die schönsten Wälder Europas und der Welt rennen dürfen.
Doch wofür macht man eigentlich Ferien in der Schweiz? Natürlich um Ski zu fahren, auch wenn das Ski-Wochenende mit dem TV Bärau wahrscheinlich teurer war als der ganze Rest der Woche in Bern. Trotzdem stand ich das erste mal auf Abfahrtsski und stürzte mich in Saanenmöser die Berge hinab. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Liftfahrt war ja noch ganz nett, doch es ist echt nicht einfach,  wenn man noch nie auf diesen Brettern mit den viel zu kurzen Stöcken stand und mit Rucksack den Hang zur Hütte hinunter fahren soll. Der Sturz war absehbar, genauso wie der zu geringe Schwung um den kleinen Hügel vor dem Hütteneingang hinauf zu kommen. Jetzt weiß ich jedenfalls warum Abfahrtfahrer keinen Langlauf mögen. Wer glaubt man müsse sich Kilometer um Kilometer mit diesen Ministöcken vorwärts schieben, der kann klassisches Ski laufen nicht schön finden.
Zum Glück bin ich jung, lernfähig, habe ausreichend starke Arme und habe mir bei dem Sturz nichts getan. Und mit Felix als Lehrer lernt es sich noch besser. Am Ende des Tages waren die kleinen Kinder zwar immer noch schneller und mir technisch um Längen voraus, aber das machte mir nix aus. Wir hatten einen wundervollen Tag in den Bergen verbracht und jeder einen wunderschönen Sonnenbrand im Gesicht. Nun hatten wir Hunger und wir freuten uns auf das leckere Essen in der Hütte. Kennt ihr das, wenn man sehnsüchtig auf etwas wartet? Dann vergeht die Zeit einfach nicht. Doch das Warten hat sich gelohnt und dank reichlich Nachschlag konnte man das Essen, nach dem der erste große Hunger gestillt war, auch genießen. Noch eine Runde kochen und Muskeln entspannen im „Hot Pott“ und abkühlen im Schnee,  dann waren wir gestärkt für einen weiteren Tag auf der Piste. Dieser verging schneller als man gucken konnte, vielleicht auch weil ich endlich einigermaßen fix die Berge runter kam.
Zurück in Bern ging es zusammen mit Felix an die Planung der nächsten Trainingseinheiten. Besser gesagt mein lieber Privatcoach Felix hatte schon einen Plan und erzählte mir nur wann ich wo sein musste, um mit einigen weiteren OL-Göttern zu trainieren.
So ging es also am Montag los mit 2,5h Sprungkraft, Stabi und Kraft. Hab ich schon erwähnt, dass Daniel Hubmann und Sarina Jenzer auch da waren? Und weil das noch nicht genug war trafen Felix, Sarina und ich uns am Nachmittag zum gemeinsamen Aqua-Jogging. Das habe ich dort ebenfalls zum ersten Mal gemacht und muss sagen, dass ich ohne die beiden nach zehn Minuten an Langeweile gestorben wäre. Aqua-Jogging ist echt kein Training, das man allein machen sollte. Nur an diesem Montag hatte ich schon mehr trainiert als in der ganzen letzten Prüfungswoche und das war erst der Anfang!
Am Dienstag ging es weiter mit einer lockeren Runde am Vormittag und dem krassen Intervalltraining vom Leichtathletikverein am Abend.
Am Mittwoch dann Fenster-Korridor-Nacht-OL im schönsten Schweizer Brombeergrün. Leider konnte ich den nicht ganz zu Ende laufen, weil die Lampe nach 70min den Geist aufgegeben hat.
Am Donnerstag war es dann endlich so weit, ich lief einen 6km-Sprint durch die hübsche historische Altstadt von Bern. Das tolle an Stadtsprints in der Schweiz sind neben den kleinen Gassen und Durchgängen, die Passanten. Die gucken nämlich nicht wie „was macht die denn hier? Ist die irgendwie bescheuert?! „, sondern eher so wie „Hej cool, eine von den schnellen OLerinnen!“, außer die deutschen Touristen natürlich. Das lässt einen mit einem breit Grinsen den Sprint und zum Ziel knapp an den verdutzten Polizisten vorbei laufen.
Am Abend dann wieder Training bei den Leichtathleten: Kraft und Koordination. So viele Leute habe ich noch nie bei einem Krafttraining gesehen. Und jeder wusste beim Aufbau was er zu tun hatte und wo was hingehört. Klein-Susen stand derweil ein wenig verloren in der Gegend herum. Doch zum Glück gibt es Weltmeisterinnen wie Judith Wyder, die sprechen kleine Susens an und bieten sogar an mit in eine Gruppe für das Stationstraining zu kommen. Klein Susen erwacht, denn es ist zwar keine Schande neben der Weltmeisterin etwas kraftlos auszusehen, aber es muss ja nicht bei jeder Übung sein. Es spornt einfach an mit den Göttern zu trainieren. Das ist genau die Motivation, die man am Anfang des Jahres braucht, genau die Einstellung um wieder in den Wettkampfmodus zu kommen.
Am Freitag gingen Felix und ich es etwas ruhiger an. Nach einer Besichtigung der FH Biel liefen wir nur für uns einen kleinen Korridor-OL.
Dafür ging es am Samstag umso hektischer zu. Wir durften mit Pepa am Hightech-Highspeed-Weekend des schweizer Nationalteams teilnehmen. Alle Götter an einem Ort und wir mittendrin. Wirklich mittendrin, nicht hinter her!
Los ging es mit Staffelstart. Die erste Runde war ich leider etwas unkonzentriert, aber man muss sich ja Steigerungspotential offen lassen. Mit der dritten und letzten Runde war ich dann auch sehr zufrieden. Klar Judit, Julia Gross und Co. waren deutlich schneller, aber auf meinem bisherigen Niveau habe ich mich gut geschlagen und den anderen auch mal die Hacken gezeigt. So kann es weiter gehen. Ich habe auch gemerkt, dass mich das harte Training bei Herr Haase wirklich voran bringt, mich schneller macht, auch auf langen Strecken. Sonst hätte ich gegen die Mädels gar keine Chance.
Am Nachmittag liefen wir einen technisch richtig anspruchsvollen Sprint in Schaffhausen. Gegen Ende merkte ich dann, dass die Beine langsamer werden, aber mir war wichtiger zu sehen wie weit ich schon wieder in meiner Sprintroutine bin. Es ist noch nicht perfekt, aber nichts was man bis zur WM nicht hinbekommen würde.
Wenn man schon mal in Schaffhausen ist muss man natürlich auch zum Rheinfall. Der übertönt jedes Wort also auch alles Gejammer über schmerzende Körperteile. Wie schon oft gesagt: OLer kennen keinen Schmerz. Und falls eine fette Pizza nicht gegen die Schmerzen hilft, dann gibt es ja immer noch Thermalbäder mit Sauna am Bodensee.
Danach waren alle Muskeln wieder hergestellt und wir freuten uns auf die Fenster-Korridor-OL-Langdistanz mit den schweizer Junioren im „Heissen Forst“ bei Ravensburg am nächsten Tag. Doch der heiße Forst war alles andere als heiß. Er war eher kalt, nass und mit einer dicken weißen Schicht Schnee bedeckt. Obwohl die Schweizer extra dorthin gefahren waren, um in einem schneefreien Wald zu laufen. Doch Schneetraining soll ja besonders effektiv sein, also freut man sich nur noch mehr auf die Einheit. Das beste war, dass man an den Spuren im Schnee sah, dass auch schweizer Junioren die Posten nicht immer auf Anhieb finden. Nach einer schnellen Stadtbesichtigung in Ravensburg und einer Fährfahrt über den Bodensee ging es auch schon wieder nach Berlin zurück. Weil die Zeit so schnell verging gibt es leider auch keine Fotos von der Woche. Außerdem könnte es echt kompliziert werden eine Kamera zu halten und gleichzeitig einen Medizinball zu fangen und wenn ich in der Woche nicht gerade gelaufen bin, dann habe ich das Thüringen-TL und ein kleines TL für Felix und mich in Schweden vorbereitet.
Vier Tage später saß ich also schon wieder im Flieger auf dem Weg in die entgegen gesetzte Richtung nach Schweden…

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Ein Kommentar zu “Götterkomplex

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