Frühlingsgefühle in der dunklen Vollmondnacht

Nacht-OL ist immer etwas Besonderes, jedenfalls für alle Nicht-Skandinavier. Doch im Wald in Ärla ist OL am Tag eigentlich schon schwer genug.
Als ich mit Felix am Mittwoch zurück nach Ärla kam, lag dort nur noch wenig Schnee. Umso besser für ein paar ausgedehnte Nacht-OLs.
Aber erstmal mussten wir Felix‘ Sachen, vor allem seine OL-Schuhe, vom Flughafen abholen, weil die in der vorherigen Nacht den Umstieg in Kopenhagen nicht geschafft hatten. Das war aber gar nichts so schlimm, weil dadurch hatten wir einen perfekten Grund um ein paar Stunden in Stockholm zu verbringen, denn Felix war noch nie dort. Als OLer, der sich in den nächsten paar Monaten andauernd in Skandinavien herumtreiben will, sollte man diese Stadt auf jeden Fall mindestens einmal gesehen haben. Wir konnten zwar leider nur durchspazieren und nicht irgendetwas genauer anschauen, da uns die Zeit gefehlt hat, aber auf den ersten Blick fand Felix die Stadt nicht ganz schlecht. Da hab ich wohl noch mal Schwein gehabt.
Dann Abends 21:00 endlich das erste OL-Training: Posten einsammeln von einem kleinen Trainingswettkampf am Vortag. Schon etwas müde und noch immer kaputt vom Ski fahren, lief ich los. Bei dem Vollmond und ein bisschen Schnee im Wald kann es eigentlich gar nicht so dunkel und schwer werden, dachte ich. Irgendwie war entweder die Karte falsch, mein Kompass komisch, die Lampe zu dunkel oder, was am wahrscheinlichsten ist, ich zu blöd, um die Posten ordentlich anzulaufen. Obwohl ich nur die mittlere Strecke und die Kinderposten einsammeln sollte, war ich knapp zwei Stunden unterwegs.
Felix erging es deutlich besser bei seinem ersten Nacht-OL in Schweden. Den gigantischen Teller Pasta hatten wir uns beide aber schon jetzt redlich verdient.
Tags darauf gingen wir es etwas ruhiger an und starteten damit ein paar Posten zu hängen und einen alten Wettkampf als Golf-OL zu laufen. Immerhin haben wir dabei nur einen Posten total verbockt.
Am Abend stürzten wir uns wieder in die Vollmondnacht. Das Erfolgsrezept für dieses Training war nach unserer Auswertung tatsächlich lieber „Susens-erschöpfte-Beine-Tempo“ laufen und nur kleine Fehler machen als „Felix-Flitzer-Tempo“ und sich einmal so richtig weg stellen. Mit welcher Methode man mehr lernt wissen wir allerdings nicht. Immerhin weiß Felix jetzt wo er schnell rennen kann und trotzdem keinen Fehler macht.
Am nächsten Morgen wieder Posten hängen für ein Training von den Jungs am nächsten Wochenende. Am Nachmittag hatten wir keinen Bock mehr auf Nacht-OL und dachten uns: Gönnen wir uns doch mal einen ganz klassischen OL mit Posten und vor allen Dingen bei Tageslicht. Das Ziel am See und darüber die Sonne, wo wir das Auto abstellten sahen schon fast sommerlich aus. Dann am ersten Posten der Schreck: kein Posten! Aber der Stein ist doch mega eindeutig, drei Meter hoch, vier Meter breit, hier neben dem Kahlschlag, das kann nur hier sein! Mh, vielleicht ist der Posten ja verschwunden, vom Elch gefressen oder so. Am zweiten Posten: ok, ich bin mir zu 98% sicher, dass ich richtig bin, trotzdem kein Posten. Da war die Hoffnung auf ein normales Training dann endgültig gestorben. Wir genossen die immer wärmer werdende Sonne und die frühe Brise Frühling im Wald trotzdem oder gerade deswegen
Es war Freitagabend, Zeit für Tacos! Jedenfalls bei den Schweden und da wir im Haus eines echten Schweden wohnten gab es natürlich Tacos, wenn auch ohne Fleisch.
Am Abend wollten wir mal ein bisschen Abwechslung in unser Training bringen und fuhren nach Eskilstuna in die Leichtathletikhalle. Doch nicht etwa um noch ein paar schnelle Runden auf der Bahn zu drehen, nein gelaufen waren wir in den letzten Tagen wirklich genug. Sondern um Minigolf zu spielen. Ja Eskilstuna ist zwar nicht groß, aber es besitzt eine Leichtathletikhalle und direkt daneben eine Minigolfanlage. Besonderes Talent haben wir für diese Sportart zwar nicht, aber das macht es nur umso lustiger.
Am nächsten Morgen liefen wir zusammen mit den Jungs aus Ärla zum Start, wo ein richtig tolles Multi-Technik-Training auf uns wartete: Fenster-, Korridor-, Vielposten- und Routenwahl-OL mit einem so schmalen Korridor wie ich ihn noch nie gesehen habe. Was will man mehr? Bei immer angenehmeren Temperaturen und strahlendem Sonnenschein liefen wir dieses letzte richtig klasse Training und dann ging es für Felix auch schon wieder zurück nach Hause.
Ich durfte noch einen Tag länger in Ärla bleiben und am Morgen ganz klassisch den Vasaloppet im Fernsehen angucken. Danach eine kleines OL-Training und dann einfach ausruhen, denn am nächsten Tag ging es weiter nach Linköping.
Dort trainierte ich mit der Lauf- und OL-Gruppe der Uni und schaute mich ein wenig in der Universität um. Die Trainingsbedingungen, die Ausstattung der Labore und das Uni-Gelände sind auf jeden Fall ein Auslandssemester dort Wert. Besonders, wenn man ein Zimmer in einem der OLer-Korridore bekommt. Überall matschige Schuhe, stinkende Klamotten und immer einen Trainingspartner in Rufweite. Das muss das Paradies sein! Für die Uni hab ich mich schon mal beworben, jetzt müssen sie mich nur noch nehmen.
Am letzten Tag dann noch ein Nacht-OL bei Stockholm. Leider habe ich den völlig in den Sand gesetzt. Im zweiten Schmetterling lief ich zum falschen Posten und dann nur noch Fehler über Fehler. Es war wohl einfach Zeit nach Hause zu fahren und das gelernte erstmal zu verarbeiten, ehe ich mich wieder in schwedischen Wald stürze. Am nächsten Morgen ging dann auch schon der Flieger nach Berlin, denn schon morgen fahre ich zum Damen-TL bei der DBK Nacht. Dort kann ich dann auch gleich testen, ob die vielen Nacht-OLs etwas gebracht haben.
Till slut jag vill säga en stor TACK till Johnny, Lisa, Emil och Oskar. Det var riktigt kul hos er och jag skulle aldrig kunnat göra resan utan er hjälp! Hoppas ni får en riktigt fint säsong och allt går bra för er!

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