Was ist Ehre?

Was erfüllt euer Leben mit Freude und Stolz? Woran erinnert ihr euch euer Leben lang?

An jeden noch so endlosen Arbeitstag? An alle fröhlichen Abende und Partys? Daran wie euer Kind mit mieser Laune aus der Schule kommt? An die tausenden Trommeln Wäsche?

Nee, oder?

Ich kann euch sagen was mich mit Freude und Stolz erfüllt. Woran ich mich noch lange erinnern werde.
Dass ich ein paar Thüringer Kindern und Jugendlichen OL beigebracht habe und alle dabei auch noch Spaß hatten. Dass ich mit Felix in Südamerika erleben durfte wie man trotz dessen, dass man nur wenig Geld auf dem Konto hat, unglaublich gastfreundlich und tatendurstig sein kann. Dass ich trotz einer Schule für Superschlaue in der mega viel Stress gemacht wurde, mich nicht davon abbringen lassen habe, dass zu machen was mir wirklich Spaß macht (man mag es kaum glauben: OL). Dass ich eine Bachelor-Arbeit mit 1,0 beendet habe, während ich mich auf eine WM in Schweden vorbereitete.
Wenn mein Leben dann länger ist, zähle ich euch gerne noch mehr auf. So was wie, zwei drei Kinder zu selbst- und bodenständigen Menschen erzogen. Meinem Chef gezeigt zu haben, wozu Eigenschaften, die man sich im (Leistungs)sport ganz automatisch zulegt, im Job alles nützlich sein können: Planungstalent, Prioritäten setzen, Teamfähigkeit, Zielstrebigkeit, Termingenauigkeit, etc. Vielleicht auch ein Nationalteam betreut zu haben und dabei unglaublich viel Mut, Liebe und Motivation gesehen zu haben.
Wie ihr seht spielt OL bei mir eine sehr große Rolle. Jetzt könnte man sagen, dass liegt ja an deiner Familie! Doch jeder von uns, meine Mama, mein Papa, mein Bruder und ich, haben uns irgendwann entschieden uns selbst und gegenseitig Freude und Stolz zu bereiten.
Mein Bruder war Leistungsträger im Nationalteam und rettete den 24h-OL. Mein Vater hat  Jahrelang die WKBs überarbeitet und dafür gesorgt, dass wir alle auf lesbaren Karten laufen und hat zuletzt in der Not den TK-Vorsitz übernommen. Meine Mama ist der Kleber, der unseren Verein zusammen hält und ein wichtiger Teil dessen, dass wir so erfolgreich sind und wirkt im Trainerrat mit. Und ich, ja ich, bin jetzt Leistungsträgerin im Nationalteam, Aktivensprecherin und versuche mit WOVO OLern und ihren Vereinen auf der ganzen Welt zu helfen.

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Felix organisierte eine Staffel-Training in Temuco/Chile und das obwohl sein spanisch aus Hola! und Gracias! besteht 🙂

Ich bin Stolz darauf, dass meine Familie all das tut und jeder sich auf seine Weise engagiert und für Dinge einsetzt, die ihm oder ihr sehr wichtig sind, nicht nur weil wir damit unsere Brötchen verdienen. Es macht mir Freude zu sehen, wie alle darin aufblühen und mit unendlich viel Herzblut dabei sind.

Es gibt noch viele andere Menschen in Deutschland die genauso sind, auch viele OLer. Vielen, vielen Dank dafür! Ohne euch wären wir eine kulturell sehr toter Haufen arbeitender Marionetten.
Doch leider sind es im OL nicht genug. Wie viele Vereine sind schon eingeschlafen, weil niemand mehr Trainings oder Wettkämpfe organisieren wollte? Wie oft können Karten nicht mehr benutzt werden, weil keiner sie überarbeitet hat?
Wie viele Kinder und Jugendliche (und auch Erwachsene) haben dadurch niemals unsere schöne Sportart kennen gelernt? Wie viele Sport- und Organisationstalente sind uns dadurch durch die Lappen gegangen? Hunderte? Tausende?

Diese Entwicklung läuft schon seit Jahrzehnten und dieser Artikel erscheint nicht ohne Grund gerade jetzt. Der Trainerrat (alle Nationaltrainer, Vorsitzende/r, Heimtrainervertreter/in, Aktivensprecher/in) sucht seit letztem Jahr händeringend einen Herrentrainer.
Wie kann es sein, dass dutzende OLer in Deutschland einen B-Trainerscheinen besitzen, sich aber niemand in der Lage sieht, auch im Team, diese Aufgabe zu übernehmen?!

Das geht nicht an all diejenigen, die sich schon in ihrer Trainingsgruppe, ihrem Verein oder ihrem Landesverband sehr engagieren. Das geht an all die Anderen. Warum glauben so viele, dass ihr Chef und ihr Job so wichtig sind? Natürlich wünscht man jedem, dass man eine Arbeit hat, die interessant und abwechslungsreich ist und Spaß macht. Doch warum nicht mal aus dem alltäglichen ausbrechen? Mit Kindern durch den Park rennen, im ruhigen Wald die Natur genießen, dafür sorgen, dass das deutsche Team so gut wie möglich abschneidet und gleichzeitig die OL-Stars bei der WM sehen? Was spricht dagegen? Keine Zeit, kein Geld, die Familie?

Auf unserer Reise hat uns ein sehr engagierter Argentinier erzählt, dass der gemeine Argentinier immer wieder gern Ausreden findet. Ich habe Angst, dass das mit OL-Deutschland auch passiert (und wahrscheinlich mit der ganzen Welt). Hat denn keiner Ideen, die er schon immer verwirklichen wollte? So wie Kai, der seit Jahren den OL in Chile wieder zu einer starken Organisation machen wollte. Und als die Kinder aus dem Haus waren, hat er die Ärmel hochgekrempelt hat und mit einem Team, dass wahrscheinlich kleiner ist als jedes Org.-Team einer DM, die ersten offiziellen südamerikanischen Meisterschaften veranstaltet. Ich wünsche mir gar nicht unbedingt so viel Einsatz, aber einmal in der Woche ein OL-Training in jedem deutschen OL-Verein klingt nicht viel, ist aber ein großer Traum. Mehr Leute, die Verantwortung übernehmen und sagen, ich richte in meinem Dorf mit meinem Verein einen Wettkampf, vielleicht sogar eine DM aus.

Denn Ehre kommt von Ehrenamt und nicht andersherum.

Weil sie recht haben…

Randale und Krawall, die Zeiten sind längst vorbei
Wo sind meine Leute hin?, die waren früher überall
Was all die anderen starten sieht wie ne Landung aus
Und die Welt sie dreht sich weiter nur nicht mehr ganz so laut.

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Ein Kommentar zu “Was ist Ehre?

  1. Daumen hoch für diesen deinen Artikel, Susen, vielmehr für alles, wofür er steht, den Dank und den motivierten und motivierenden Aufruf bzw. freundlichen Tritt in den Hintern. Zusammen trainiert man nicht nur weniger allein, sondern macht auch Ehrenamt (im OL und anderswo) erst wirklich Freude. 🙂

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