Bääääms

Alte Pfade, alte Erinnerungen. Ein bisschen Philosophie zum Fest.

Wieder auf den Pfaden auf den Bergen rund um Jena zu laufen ist manchmal wie ein Wanderung zu längst vergessen Gesprächen, Geschichten und Erlebnissen. Dinge die tief in der Erinnerung stecken und mich teilweise zu der machen, die ich heute bin.

Steiger auf dem Weg zum Napolenstein: Hier fing alles an. Der nächste Berg von der Wohnung meiner Eltern. Wie stolz ich damals war diese lange stetig bergan gehende Straße das erste mal durchgelaufen zu sein. Heute brauche ich 20min für die 2,3km und 200 Hm.

Jenzig: Eines der sieben Wunder von Jena, inklusive jährlichem Berglauf. Tolle Preise und einen schönes Sommerfest gibt es hier immer. Ich habe Jahre gebraucht, um zu lernen diese Serpentinen bis oben durchzulaufen und vielleicht noch eine Art Zielspurt hinzulegen. Die Aussicht ist famos, auch in der Dämmerung. Die glitzernde Stadt mit knallbuntem Riesenrad in der Mitte liegt zu meinen Füßen. Man fühlt sich gleichzeitig sehr groß und sehr klein. Wegen diesen Ausblicken habe ich manchmal Heimweh.

Neuer Radweg nach Porstendorf: Intervalle, schnelle und halbschnelle im Wechsel. Die ersten drei, vier sind ok, dann kommt der Wendepunkt und ich laufe im Saaletal wieder Richtung Süden. Gegenwind, richtig fieser Gegenwind, und Nieselregen, jeder Schritt fühlt sich an wie als ob man einen der steilen Hänge hier frontal hoch läuft. Die schnelle Zeiten kann ich vergessen. Jetzt heißt es mentale Stärke beweisen und das Training trotzdem durchziehen. Jeder Schritt ist bei der nächsten verregneten und kalten Langdistanz ein Vorteil für mich. Von ein bisschen Wetter lass ich mich nicht stoppen.

OL-Training am Steinkreuz: Tausend mal hier gewesen, trotzdem immer wieder schön eine Karte in die Hand zu bekommen und durch den Wald zu fegen. Diese grandiosen Aha-Momente: Ach hier war das! Und waren fünf Meter schon immer so tief? Der Unterschied zwischen deutschem und skandinavischem Wald wird einem so richtig bewusst. Hier muss man rennen, es gibt einfach nichts zu gucken, keine Details zwischen denen man verloren gehen kann. Wenn man diese 80 Hm am Stück hoch muss, dann muss man sie eben hoch, hilft alles nichts. Danke an Fight, für eine tolles Training, nur für Profis.

Forst, vorbei am Bismarckturm, Forstturm und Kahles Höh: Wenn der Wald nicht so spannend ist, muss man Türme und Aussichtspunkte rein bauen. Unzählige Laufrunden habe ich hier absolviert, da meine fantastischen Trainingspartner auf halber Höhe wohnten. Heute war ich alleine unterwegs. Da kommen einem die ganzen Gespräche, die man auf diesem oder jenem Stück Weg geführt hat in den Sinn. Wie als ob man einem Pfad durch seine Seele folgt. Und seit wann kann ich diese Runde in einer Stunde laufen? War ich nicht immer viel kaputter, wenn ich auf dem Lommerweg zurück gelaufen bin?

Nirgendwo anders als hier an den Hängen des Saaletals werden mir die Fortschritte, die ich in den letzten zehn Jahre gemacht habe, so sehr bewusst. Es dauert bis man schneller, stärker und schöner läuft. Das es aber irgendwie funktioniert, sehe ich hier. Jedes Jahr ein bisschen besser (so schnell wie Rewe „jeden Tag ein bisschen besser“ bin ich leider nicht), auch dieses Jahr. Die Arbeit hat sich ausgezahlt. Endlich im A-Team: Weltrettung mit durch-den-Wald-Gerenne.

In diesem Sinne, Frohe Weihnachten und besinnliche Tage in der Heimat!

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