Starke Revanche / behind the scenes from the other side

Die diesjährige WM ist Geschichte. Zeit für eine Analyse und einen Blick in die Zukunft.

Meine Platzierungen über Mittel (25.) und Lang (19.) sind im Durchschnitt genauso gut wie letztes Jahr. Ob das jetzt gut ist oder nicht, kann jeder für sich selbst entscheiden. Für mich ist das Ergebnis auf der Mittel enttäuschend. Im Nachhinein sind wir uns sicher, dass ich irgendwie komisch gesprungen bzw. gelandet bin und sich dabei wohl meine Wirbel/Rippen verrenkt haben. Schmerzen ohne Ende und keine Möglichkeit das Tempo auf der super einfachen Transportstrecke zu erhöhen. Keine große Erschöpfung oder Müdigkeit, einfach nur Pech. Zum Glück hat Felix mich am Morgen vor der Staffel wieder eingerenkt und ich konnte die Staffel mit einem großen Batzen Revanchelust und in bester Bulldozer-Weise laufen. Ein versöhnlicher Abschluss für mich und ein grandioser Tag für das gesamte Team, dass in dieser Woche gezeigt hat, dass hier mit viel neuem jungem Blut eine neue Ära für das deutsche Nationalteam beginnt.

Ich denke unsere Leistungen waren hervorragend. Natürlich nicht jeder Lauf kann besonders gut sein und mache Läufe sind sogar einfach schlecht, aber das heißt nicht, dass man die positiven Momente nicht genießen darf. Dafür haben wir alle viel zu hart dafür gearbeitet, zu Hause und in zahlreichen Trainingslagern. Zum Beispiel hat die Damenstaffel mit Hilfe von Familie Schmitt-Gran ein eigenes TL in Halden durchgeführt und Doro ist ganze fünf Wochen vor der WM für ein Praktikum und viele Trainings in relevantem Gelände gleich dort geblieben.

Die Mittelquali war von der Teamleistung her mit Abstand unser schlechtester Tag. Leider konnte nur ich zeigen was in uns steckt und auch einige gute Zwischenzeiten laufen. Einmal hat es sogar zur zweitbesten Zwischenzeit gereicht. Aber wir haben uns alle durch den Sumpf und den langen Hang zum dritten Posten hoch gekämpft und wichtige Erfahrungen aus diesem Rennen mitgenommen.

Zur Langdistanz am nächsten Tag sah das schon ganz anders aus. Platzierungen sehr ähnlich wie zur EM-Mittel letztes Jahr in der Schweiz (15, 27 und 39) zeigen, dass das nicht nur ein einmaliger Glücksfall war, sondern dass wir auch konstant klasse Rennen machen können. Für mich persönlich war es ein Lauf wie ich ihn mir vorher vorgestellt hatte, außer dem Moment, wo ich auf dem Weg zur Acht von der Richtung abgekommen bin und dann leider meine Route etwas ändern musste, um den Schaden noch klein zu halten.

Bei der Mittel dann endlich der erleichternde Moment für die Herren. Seit 2014 ist die deutsche Platzierung bei den Männern das erste Mal wieder besser als bei den Frauen. Abgesehen davon, dass wir Top 25 gleichzeitig bei Damen und Herren das letzte Mal 2003 geschafft haben.

Auch bei der Staffel ist das Maß der Dinge das Jahr 2003. Damals waren die Damen 10. und die Herren 12. Gestern war es umgekehrt und das macht die Sache nur noch krasser. Denn die Herren waren nicht mehr 10. in einer WM-Staffel seit 1997! Zu dieser Zeit war Ole noch nicht mal geboren. Ole war sowieso der krasseste Typ an diesem Tag. Also nicht, dass Felix und Bojan nicht auch einfach spitzenmäßig gelaufen sind. Aber wie Ole mit gerade mal 21 Jahren mit den ganzen deutlich erfahreneren WM-Medaillengewinnern mitgelaufen ist und sogar schneller war als Kratov (WM-Bronze 2017) und Bertuks (WM-Gold 2012) war einfach nur der Hammer. Dass er dabei mehr als drei Minuten auf den unangefochtenen König des norwegischen Waldes Olav Lundanes verloren hat, ist dabei nur nebensächlich und ging den meisten Läufern an diesem Tag so. Bojan zeigte wie schon zur Lang und zur Mittel, dass das sein Gelände ist und er sich hier pudelwohl fühlt. Er konnte den Russen Serebryanitskiy (21. Platz WM-Mittel 2019) noch überholen und damit den 10. Platz sichern. Verständlicherweise waren Felix, Ole und das gesamte Team total aus dem Häuschen als Bojan ins Ziel kam. Besonders Felix, der die ganze Woche zuschauen musste, um dann auf den Punkt abzuliefern, war unendlich erleichtert und so glücklich, dass er sich bis zum Ende der wohlverdienten Party nicht beruhigen konnte.

Bei den Damen verlief die Staffel völlig anders und nach einer soliden Startstrecke von Doro und einer leider nicht zufrieden stellenden zweiten Strecke von Paula wurde ich in den Wald geschickt. Meine Hauptaufgabe bestand darin die große Tram mit den Plätzen 10 bis 16, die ca 90 Sekunden vor mir gestartet war, wieder einzuholen und nach Möglichkeit zu überholen. Mit einem rasanten Rennen, gelang mir das auch und ab Posten sieben führte ich die Tram im Wechsel mit Isia Basset (WM-Bronze Mittel 2018) an. Zum vorletzten Posten lag ich in Führung, habe die Felswand mit dem Schirm aber leider nicht direkt getroffen und so waren Österreich und Litauen vor mir am Endposten. Leider konnte ich die beiden laufstarken OLerinnen auf dem Zielspurt nicht mehr einholen. Was lernt man daraus? Auf dem Weg zum letzten schwierigen Posten lieber an zweiter Position liegen, um sich die Schlenker der ersten Läuferin zu sparen und im entscheidenden Moment attackieren zu können. Ich war noch nie in so einer Situation und bin jetzt aber für die Zukunft gerüstet. Im Ziel war ich so fertig, dass ich mich trotz pitschnasser Wiese einfach längs auf den Boden fallen lassen musste. Jetzt war ich wirklich müde und wollte einfach nur noch schnellstmöglich in die Teamzone zu meinen trockenen Sachen. In diesem Moment bekommt man echt nicht viel mit und ist noch so im Rausch vom Wettkampf, dass man die meisten Dinge um einen herum gar nicht richtig wahrnimmt. Erst ein paar Stunden später realisiert man was passiert ist und kann sich richtig über die vielen lieben Nachrichten und Glückwünsche die uns über Mail, Telefon, Facebook und Co. erreichen, freuen. Diese Nachrichten sind in so einer intensiven Woche Gold wert und sind für mich immer eine wichtige Motivation um mich am nächsten Tag wieder konzentriert und mit vollem Fokus an die Startlinie zu stellen.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich fest daran glaube, dass unser junges und talentiertes Team in den nächsten Jahren noch viele sehr gute Läufe zeigen wird und wir uns gegenseitig zu immer besseren Leistungen bringen werden. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Herausforderungen.

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