Guten Tag, Gutan Tag, Ich will mein Leben zurück

Seit ein paar Wochen passiert tatsächlich mal wieder was anderes als arbeiten und alltägliches Training. Also kann ich hier auch mal wieder was berichten.

Eigentlich wollten Felix und ich Mitte März nach Tschechien für das Euromeeting, aber das würde abgesagt und wir waren mega traurig und sehr urlaubsreif. Deshalb haben wir kurzer Hand zwei Tage frei genommen und sind für ein langes Wochenende nach Åre gereist, um ein letztes Mal richtig Ski zu fahren. Wir hatten einen Bilderbuch-Tag mit perfekten Loipen auf dem Fjäll. Manchmal gab es aber auch Neuschnee oder Sturm. Trotzdem war es schönes Ausdauertraining.

Schon am nächsten Wochenende sind wir endlich mal wieder nach Ärla gefahren und haben auf das Haus eines Freundes aufgepasst, der gerade woanders in Schweden unterwegs war. Also alles coronasicher. Natürlich haben wir die Chance für ein paar OL-Trainings im schönen Sörmland-Wald genutzt. Um die Form für die SM Ultralang, die zwei Wochen später stattfand, zu checken, liefen wir die SM Ultra von 2016. Das lief eigentlich ganz ok, nur mein linkes Knie schmerzte relativ schlimm. Trotzdem hab mich erstmal angemeldet. Wird schon wieder weg gehen, dachte ich.

Video vom Massenstart in Ärla: https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=3995075660579102&id=100002301229602

Dann war auch schon Ostern und wir hatten ein eigenes kleines WM-Trainingslager an der schwedischen Westküste geplant. Vier Tage relativ steil und steinig im Buchenwald. Viel näher an tschechisches Gelände kommt man in Schweden nicht.

Video in den Felsen: https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=4002339096519425&id=100002301229602

Nach nur vier Tagen fuhr ich alleine nach Västervik, um eine Mitteldistanz und die SM Ultralang zu laufen. Das Knie und die rechte Waden waren immer noch relativ schmerzhaft, aber nicht was man mit intensivem blackrolen nicht in den Griff bekommen würde.

Die Mitteldistanz am Samstag lief richtig mies. Das Tempo war in Ordnung, aber o-technisch lief es überhaupt nicht. Mir fehlte total die Wettkampfroutine mit Nervosität, richtigen Posten und allem was dazu gehört.

Die Ultralang war dieses Jahr ein ungegabelter Halbmarathon-Massenstart im Wald. Knapp über 40 Damen stellten sich der Herausforderung. Bei so einem Rennen gilt eigentlich nur eine Regel: Verlasse nicht die Gruppe. Keiner will 20 km allein durch den Wald stolpern. Naja, was mache ich am ersten Posten. Genau, ich glaube zu wissen, wo der Posten steht, nach dem alle dumm in der Gegend rumgeguckt haben. Renne weg und währenddessen finden die 40 anderen Damen den ersten Posten. Toller Start in den Tag. Aufgeben ist nicht so ganz mein Ding und ich bin weiter gelaufen. Überholte bald zwei Läuferinnen, aber dann war ich eine Stunde lang allein und sah niemanden. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Zur 11 gab es einen Schlag quer über die Karte und ich stand bestimmt 15 sek an der 10 und überlegte was ich tun sollte. Am Ende entschied ich mich für die nördliche Variante über zwei Höhenzüge, die gut belaufbar aussahen, einen kleinen Weg und größere Forstwege. Die ganze Zeit hatte ich hier und da mal ein paar Schuhspuren gesehen. Auf dem kleine Weg war es manchmal etwas matschig, aber ich sah keine Spuren und wunderte mich sehr. Auf cirka der Hälfte der langen Verbindung sah ich das erste Mal eine Läuferin weit vor mir. Nach einer Weile sah ich mehr und wusste, dass muss die Gruppe sein. Ich hab erstmal gejubelt und ein weiteres Gel reingedrückt. Jetzt konnte die Aufholjagd richtig los gehen. Karte weggesteckt und hinterher, war ja ungegabelt. Bis ich mich an der Schlange von Läufern vorbei gearbeitet hatte, hatte sich die Spitzengruppe leider schon von der Hauptgruppe gelöst. So geschah der Kampf um die vorderen Plätze ohne mich. Dank eines guten Schlussteils hat es nach fast 2,5h dann doch noch zu Platz 10 gereicht. Ich scheine wirklich ein Abo auf Platz 9 und 10 bei schwedischen Meisterschaften zu haben…

Im GPS kann man sehen, dass ich nach dem ersten Posten konstant auf die Gruppe verloren habe, aber auf der langen Verbindung zur 11 liefen alle viel mehr quer. Dadurch war ich mit ca 30 min Laufzeit auf der Strecke 1:30 min schneller als alle anderen. Nur wegen dieser, für mich ausnahmsweise richtig guten Routenwahl, konnte ich die Gruppe überhaupt einholen. Meistens bekomme ich das mit den Routenwahlen nicht so gut hin, deshalb bin ich auf diese besonders stolz.

Schon am Freitag und Samstag trainierte ich wieder mit der schwedischen Elite einige Sprint-OLs, um mich auf die EM in der Schweiz vorzubereiten.

Und jetzt size ich irgendwo in Tschechien und erhole mich vom ersten Training in den Sandsteinfelsen. Hier haben wir als Nationalteam eine ganze Woche, um uns auf die WM vorzubereiten.

Wie ihr lest, sieht mein Leben wieder relativ normal aus, auch wenn auf Arbeit natürlich immer noch Homeoffice gilt. Jedes Wochenende Trainingslager oder Wettkämpfe. Wir im Nationalteam versuchen uns so gut es geht auf die internationalen Meisterschaften vorzubereiten und gehen davon aus, dass diese – natürlich unter Corona-Auflagen – stattfinden.

Das diese „Normalität“ für die meisten Menschen noch weit entfernt ist, ist mir klar und ich hoffe, dass wir bald alle ohne Maske durchatmen können. Trotzdem bin ich froh, dass ich diesen, mir unheimlich wichtigen Teil meines Lebens immerhin teilweise wieder zurück bekommen habe.

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