Mentale Gedanken

Warum läuft es an einem Tag gut und am Nächsten nicht?

Letzter Posten bei der Quali

Das erste Rennen bei der EM letzte Woche lief wirklich gut. Ich hatte mich gute vorbereitet und hatte am Wettkampftag eine super Form. Nach den letzten missglückten Versuchen mich für das Viertelfinale zu qualifizieren vor Corona, wollte ich es dieses Mal unbedingt schaffen und beweisen, dass sich das kann.

Um so größer war die Freude als ich die Quali auf Platz 10 beendete und damit endlich ins Viertelfinale einzog.

Das fand am nächsten Tag statt. Ich wusste ich hatte keine Chance auf das Halbfinale gegen meine Gegnerinnen. Daher war meine Einstellung, dass ich ich sowieso nichts mehr zu verlieren hätte. Was im Nachhinein natürlich totaler Schwachsinn war.

Was ist schief gegangen? Einerseits bin ich in der dritten Schleife im Schmetterling zuerst zum falschen Posten gelaufen und dadurch statt als Vierte als Letzte auf den ungegabelten Teil der Strecke gegangen. In meinem Kopf war das Rennen in dem Moment vorbei. Irgendwie habe ich noch versucht an den anderen dran zu bleiben, aber der Biss war weg. Da es von den Punkten beim KO-Sprint keinen Unterschied macht wie viel Rückstand man hat, bin ich das Rennen dann noch halbherzig zu Ende gelaufen.

Trotz dessen, dass ich dachte ich hätte nichts mehr zu verlieren, war die Enttäuschung groß und ich war richtig sauer auf mich und den falsch angelaufenen Posten. Wie ein Anfänger, dachte ich.

Arenapassage beim Sprint

Am nächsten Tag zum normalen Sprint wollte ich es besser machen und am Anfang der Strecke lief es ganz gut. Dann kam die lange Verbindung und sehr schnell wurde mir klar, dass ich eine richtig beschissene Route gewählt hatte. Da war das Rennen in Gedanken schon wieder vorbei für mich. Statt weiter zu kämpfen und daran zu glauben, dass die anderen auch nicht alles richtig machen, hing ich die nächsten Verbindungen immer ein bisschen hinterher und grämte mich über meine schlechte Routenwahl. Erst nach der Arenapassage fasst ich neuen Mut und wollte wenigstens am Schluss nochmal zeigen, dass ich es eigentlich kann. Natürlich bin ich dann erstmal an einem Durchgang vorbei gerannt und die Sache war gegessen.

Warum läuft es an einem Tag einfach rund und am nächsten nicht? Manche nennen es Tagesform und tatsächlich gib es die wohl, doch anstatt mit der rein physischen Form hängt wohl vieles davon ab wie man mental aufgestellt ist.

Nach der etwas verkorksten Saison 2019 hatte ich mir vorgenommen die Wettkämpe nicht mehr so ernst zu nehmen, wieder den Spaß an der Sache zu finden. Ich hoffte dadurch nach einem miesen Lauf nicht ganz so schlecht gelaunt zu sein und nicht so verbissen zu sein. Ich wollte wieder lockerer im Hirn rennen.

Mittlerweile glaube ich das Beides für mich nicht die zielführende Strategie ist. Wenn ich zurück schaue, habe ich meine besten Läufe gemacht, wenn ich richtig stinksauer war. Darauf was jemand gesagt hat, wie meine Staffelpartnerinnen gelaufen sind, wie ich in diesem Gelände letztes Mal abgekackt bin. Wenn ich unbedingt beweisen will, dass ich viel mehr drauf habe als mancher gedacht hat. Diese Wut ist ein krasser Antrieb. Ganz gesund ist das auch nicht, aber dieses „jetzt zeig ich es euch“ macht dass ich mich fokussiere und Kräfte frei setze mit denen ich so schnell renne wie ich kann.

Also, zur WM „zeig ich es euch“, dass ich so viel mehr drauf habe als ein 61. Platz und versuche zu beweisen, dass auch diese Generation von deutsche OLerinnen gute Resultate erzielen kann.

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